Und Kinder und Pilger und Narren drängten sich, wie
Schafe, an sie heran und starrten zum Himmel empor und fielen plötzlich mit wildem Geschrei und Gelächter mit ein:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“
Und der ganze lärmende Marktplatz geriet gleich dem stillen Sternenhimmel in wirbelnde Bewegung.
Nachts verschwanden die Hirten jenseits der Stadtgrenze.
Sie gingen weiter, dem Rößlein und dem Öchslein nach, wie sie auch heute noch gehen und das Lied der Engel singen, und wie sie gehen und singen werden, bis das Ende aller Tage gekommen ist. Und in der letzten Stunde wird man ihnen lauschen, den gesegneten Hirten von Bethlehem.
Rößlein und Öchslein waren verschwunden, die Hirten wurden nicht mehr gesehn, und die Nacht war vorüber.
Mit dem Morgengrauen des folgenden Tages aber zeigte sich in Jerusalem eine alte Frau. Sie ging durch die Gassen, und keiner konnte verstehen, wovon sie sprach und was ihre Gebärden bedeuteten. Sie tat, als wiege sie ein Kind und als spräche sie ihm freundlich zu und scherze mit ihm — und dann fiel sie plötzlich auf die Knie und fing an zu weinen, doch nicht vor Schmerz, sondern vor Freude.
Das war die alte Solomonida, die erzählte von der Geburt des Heilandes und zeigte, wie sie das Kind auf ihre zitternden, abgearbeiteten Arme genommen, wie sie es geherzt und geschaukelt hatte, — sie, die schon so vielen Kindern zur Welt geholfen hatte.
Kinder, Pilger und Narren liefen der Alten nach, und wenn sie weinend auf die Knie fiel, wiederholten sie weinend ihre unverständlichen Worte.