Und so singt das ganze Schloß von früh bis spät. Großmutter Euphrosyne Iwanowna muß singen, und Tante Wera und Tante Lena und Mama.
Wer aber wirklich sehr schön und sehr gerne singt, das ist der Onkel Andrej. Früher brauchte er bloß den Mund aufzutun, dann geriet alles in die größte Aufregung und bat flehentlich, er solle lieber nicht singen. Jetzt aber hat sich alles geändert, jetzt muß er singen was das Zeug hält, denn Sascha findet es sehr schön und will immer mehr haben.
Wie geht es aber erst zu Weihnachten her, wenn im Schloß der Christbaum angezündet wird und im Ofen das Stroh knistert und draußen der Wind heult und den weißen Schnee in dichten Massen gegen die Fenster treibt!
Dann hallt das alte Schloß von wehmütigen Koljadkas[*] wider. Schon fünfundzwanzig Jahre ist es her, daß der Vater Eutychios das Koljadkasingen streng verboten hat, aber insgeheim wird immer noch gesungen. Und der langgedehnte Refrain, der noch wehmütiger klingt, als das Lied selbst, verschmilzt in eins mit dem Sturmwind draußen:
„Heiliger Abend . . .“
Sascha setzt sich zu den Mägden und hockt unbeweglich da, ganz Spannung. Und es ist, als verstünde sie alles und sähe alles: wie die Muttergottes in der Schenke den Sohn in Windeln wickelt, und wie Christus gekreuzigt wird, und wie das falkenschnelle Roß Abschied nimmt . . .
„Heiliger Abend . . .“
[* Volkstümliche Weihnachtgesänge, z. T. noch an heidnische Sonnwendgebräuche anknüpfend. ]
„Noch!“ verlangt die Königin und läßt die Sängerinnen nicht einmal zu Atem kommen.
Die Mägde sind schon ganz heiser geschrien, aber Saschas strenges „Noch“ und abermals „Noch“ hört nicht auf.