sie kaum gehen kann. Tante will hinaus an die frische Luft — der Stock ist weg, als hätte die Erde ihn verschluckt.

Überall sucht man ihn, und Sascha sucht mit! Und nicht einmal lächeln tut sie dabei, der Schelm!

Tante weiß sich aber schon zu rächen: Saschas Spielsachen fangen an zu verschwinden.

Die Tante ist gern allein. In der Schummerstunde setzt sie sich in einen Winkel im Bildersaal, der schwarzäugigen Somowschen Kokette mit Löckchen und Bändchen gegenüber, und macht sich an ihr Geduldspiel: Ziegen und Schafe. Die hölzernen Ziegenböcke klappern im Takt, aus dem Rahmen lächelt die Kokette und die Tante lächelt auch, — wieviel lustige Bälle hat sie mitgemacht, und was gab es dazumal für Kavaliere, was für Walzer . . .

Wenn das Spiel der Tante überdrüssig wird, legt sie es fort und holt ein anderes heraus — den Bären als Schmied. Und der Bär schmiedet ihr die alte goldene Zeit neu.

Dann denkt die Tante nicht daran, daß sie doch bald ins Grab muß. Nein, sie ist sechzehn Jahre alt, vielleicht auch noch viel, viel jünger.

Sascha steht morgens ganz früh auf mit Großmama und der Tante. Nur das Zimmermädchen Polja steht noch früher auf.

Jeden Morgen begibt sich die Tante in den Saal, um vor dem wundertätigen Marienbild von Sadorino zu beten. Mit der linken Faust macht die Tante eine „Feige“, den bösen Geist abzuwehren, und die Faust fest an den Rücken gepreßt, fängt sie zu beten an. Sascha, noch nicht ganz angekleidet, nur in Strümpfen und Leibchen, kommt vom Turme auch in den Saal hinunter gelaufen um zu beten, bekreuzigt sich ungeschickt, beugt sich nieder und hascht mit der linken Hand nach Tantens zitternder Feige.

Mit Angst und Beben, ihr Gebet vergessend, sieht die Tante sich um: daß ihr Schutzengel nur nicht davonfliegt!

Und oft scheint es ihr, als flöge der Engel davon. Dann