Einmal kam zu Tschabak ein Kaufmann aus der Stadt; in Geschäften kam er zu ihm. Ein hübscher,

lustiger Kerl, das ganze Dorf brachte er in Aufregung; Die Weiber weinen auch heute noch, wenn die Rede auf Rodionow kommt. Und dieser Kaufmann gefiel Sanofa. Sie selbst gestand es dem Vater. Der Alte freute sich mächtig und ging gleich zu dem Kaufmann. Der Alte liebte die Tochter so, daß er seine Seele für sie hingeben würde. Der Kaufmann war aber ein leichtsinniger Kerl und achtete nicht der Gefahr. Er schüttete drei Scheffel Scherze hin, und man wurde einig. Alles ging, wie sich’s gehörte: die Eltern gaben ihren Segen, man feierte die Verlobung und machte alles, was die Sitte verlangt: Weiber verstehen sich ja darauf! Man tanzte so lange, bis alle lahm waren. Und als der festgesetzte Tag anbrach, kleidete man Sanofa zur Trauung ein. Man kam in die Kirche, das ganze Dorf war dabei — denn alle wollten es sehen —, man wartete, der Bräutigam aber fehlte noch. Man dachte sich, es sei ihm etwas zugestoßen. Man suchte hin, man suchte her. Man schickte einen Boten hin, dann einen andern, der Kaufmann war nirgends zu finden. Man ächzte und seufzte, doch es war nichts zu machen. Nun fuhr man wieder heim. Sanofa wollte sich aber nicht vom Fleck rühren. Man bat sie, man flehte sie an, man versuchte, sie mit Gewalt nach Hause zu bringen, sie wollte aber um nichts in der Welt fahren. So, wie sie war, im Brautkleide, legte sie sich platt auf die Erde und kroch auf allen vieren nach Hause. War dabei so weiß wie Papier, und ihre Augen — ja,

wenn alle Donner des Himmels erdröhnen und alle Blitze niederführen, gäbe es kein solches Ungewitter: — die Augen glühten und sengten. Ein jeder blieb wie angewurzelt stehen, und sie kroch immer weiter.

Gegen morgen fand man den Kaufmann in Tschabaks Stall. Eine Sau hatte Ferkel geworfen, und im Stalle stand eine alte geflochtene Krippe für die Ferkel. Der Kaufmann lag in der Krippe, und die Pferdeleine war mit dem einen Ende an einer Pappel festgebunden. Tot war er.

Nun kam die gerichtliche Untersuchung. Die Leute sagten gegen Kornej aus. Kornej schwor, daß er an der Sache nicht beteiligt sei. Man glaubte aber seinen Schwüren nicht und sprach ihn schuldig. Der Alte ging nach Sibirien und ist wohl auch dort gestorben.

So war die Sache.

Mitroschka mit dem Nabelbruch begann nun ganz laut zu schimpfen, und die Klugen, die früher ebenfalls alles gewußt, aber geschwiegen hatten, redeten drauflos.

Jetzt war es allen klar, was für eine Bewandtnis es mit Tschabaks Reichtum und Sanofas glückbringender Hand mit dem Muttermal am linken Daumen und den kleinen Kreuzen hatte.

Und wenn es auch Kornej war, der den Rodionow erdrosselt hatte — das wußte ja jedermann —, Sanofa war jedenfalls mitbeteiligt: ihrer Hände Werk war es!

Das ganze Dorf geriet in Aufruhr.