»Warum lügst du? Warum sagst du, daß ich schön bin? Was willst du von mir? Wie soll ich von hier fort? Ich bin ja ein Krüppel — und kann nicht gehen! Womit hab ich das verdient? Wer hat es so eingerichtet? Wo ist die Gerechtigkeit?« Sanofa richtete sich auf den Armen halb auf,

blickte die Mutter voller Haß an, verfluchte die Menschen und die ganze Welt. Alle erschienen ihr so glücklich, nur sie allein war so unglücklich, ein verkrüppeltes Kind, sie war verdammt und wußte nicht, für welche Schuld.

Und ihr Herz war wie ein zähnefletschender Eber — schreckliche Rache drang ihr aus dem Herzen.

Die Alte ließ sich wieder auf die Bank nieder, schloß die Augen und schlief ein, kraftlos, ohnmächtig, etwas zu tun.

Sanofa verharrte aber noch lange halbaufgerichtet, sich auf die gestreckten Arme stützend, und sträubte die Haare wie eine Katze. Sie zielte irgendwohin mit den Augen und ließ die Blicke im Kreise schweifen. Etwas Unmögliches, Unmenschliches geschah in ihrer Seele, etwas Unmögliches, Unmenschliches ging in ihrem Herzen in Erfüllung.

Um diese Zeit begann es im Dorfe zu brennen, und die Menschen begannen dahinzusterben, und eine Seuche befiel das Vieh, und die Felder wurden ausgetreten — jedes Unheil, jede Seuche, alles kam von ihrem bösen Blick.

Allmählich wurde ihr leichter ums Herz, allmählich zog sie die stählernen Arme wieder ein.

Sanofa verkroch sich in einen Winkel ihres Bettes, schrumpfte ganz zusammen und versteckte sich wie ein verwundetes kleines Tier.

Sie gedachte ihrer Kindheit, des Vaters, ihrer glückbringenden Hand . . . Wie sie einst im Reigen

gestanden hatte, wie der Sturmwind kam und wie sie zu Boden fiel, von dem sie sich nie wieder erhob . . . Wie sie sich selbst aus ihrer rechten Hand ihr Glück herauskratzen wollte, wie sie zur Kirche fuhr und, auf allen vieren kriechend, nach Hause zurückkehrte.