Die Alte erwachte.

Sanofa weinte.

Wenn sie weinte, war ihr Gesicht wieder so winzig, kaum faustgroß, wie bei jenem glücklichen Mädelchen, das, ihr glückspendendes Händchen schwingend, auf einem Bein von der Haustür zur Gartenpforte hüpfte, mit feinem Stimmchen sang und das Märchen vom Hahn erzählte, der den Bären gefressen hatte; das mit den Lippen den Donner nachahmen wollte und selbst vor den eigenen Tönen erschrak; das scheltend den Regen zu verjagen suchte und ebenso wie jetzt weinte, wenn der Regen nicht aufhören wollte und man sie nicht aus dem Hause ließ.

»Willst du essen?« fragte die Alte, sich über die Tochter beugend.

»Sterben will ich«, flüsterte Sanofa.

Die Alte biß sich in die welken Lippen, zerrte an den Enden ihres erdgrauen Kopftuches und war selbst so grau wie Erde.

Die Vögel an der Wand reckten ihre Katzenköpfe und flogen irgendwohin; und auch die ganze Wand wollte sich losreißen und davonfliegen.

»Ich will sterben!«

Wenn die Abenddämmerung kam und der laue Abend den Wind des Tages zur Ruhe brachte und die Nacht, mit Sternen wie zu einem Festmahl geschmückt, langsam heraustrat und die von den Sternen geweckten Eulen ihre Trauer in gedehnten Schreien ergossen — kroch Sanofa in den Garten hinaus. Da blieb sie bis zum Morgengrauen unter vier Augen mit der Nacht, grub die Erde um und machte sich mit ihren Blumen zu schaffen.

Manche Nächte aber waren wie Tage, und Sanofa konnte in solchen Nächten nicht vom Bette steigen.