»Tanzen! Tanzen!« schreien plötzlich alle auf, die Musik schmettert von neuem, und die Töne sind so ansteckend lustig, daß man Lust hat, unaufhörlich, unermüdlich weiterzutanzen . . .
Ich habe aber keine Lust, noch länger durch den Fluß zu waten; ich steige darum in den Zug und setze die Reise mit der Eisenbahn fort. Der Zug hält auf freiem Felde. Ich trete in das Bahnwärterhäuschen und setze mich ans Fenster.
»Sie fahren, sie fahren!« murmelte der Weichensteller im Vorbeigehen, und im gleichen Augenblick fuhr eine Equipage vorbei. Ich sah ein junges Paar darin sitzen; sie war im Brautkleide und er im Frack.
Sobald die Equipage mit dem Brautpaar verschwunden war, kam polternd ein riesengroßer Leichenwagen gefahren, und im Wagen lag ein riesengroßer Leichnam. Die Pferde liefen Galopp, auf dem Bock saß kein Kutscher, und niemand lenkte das Gespann.
Ich sprang aus dem Bahnwärterhäuschen und ging quer über das Feld. Das Feld war staubig, ebenso der Wind.
Der Turm
Es ist ungemein schwierig, fast unmöglich, diesen sonderbaren turmähnlichen, innen vollkommen hohlen Bau zu besteigen. Die Stufen sind so abgenagt, daß man stellenweise Schritte von anderthalb Klaftern machen muß. Wir steigen in großer Gesellschaft hinauf, kennen aber einander nicht, wenn wir auch so tun, als ob wir einander durch und durch kennten. Hinunterschauen ist verboten; wer es trotzdem tut — es gab auch solche Helden unter uns —, der ist erledigt: der fliegt kopfüber in den Keller. Niemand hat den Keller gesehen, aber alle wissen, daß er tatsächlich existiert und sehr kalt und finster ist. Endlich erreichen wir die obere Plattform; sie ist fest gebaut, ganz aus Eisen und wird von eisernen Balken gestützt.
Eine Lehrerin — oder Nonne, die früher einmal Lehrerin gewesen ist — steht oben und zeigt jedem von uns durch das offene Fenster die Welt. Sie sagt ausdrücklich:
»Schaut, Kinder, da ist die Welt.«
Wir sehen den Sonnenuntergang, kolossale Häuser, riesenhafte Ziehbrunnen, Feuerwehrdepots und eine Kirche mit hohem Glockenturm; oben am Kreuze der Kirche kleben andere Menschen und betrachten gleich uns die Welt. Die Gefahr ist dort wohl viel größer als bei uns; es ist ganz unverständlich, wie sie sich da überhaupt festhalten können und nicht herunterfallen!