»Ich habe nichts dergleichen erklärt.«
»Jemand hat Sie wohl belauscht und Ihre Gedanken aufgeschrieben«, fährt der Bucklige fort und knetet mit den Fingern aus Schwarzbrot Kügelchen.
»Ich weiß nichts davon!« Ich wehre mich mit beiden Händen, ich höre, daß die alte Kinderfrau Irinja im Nebenzimmer den Boden kehrt und aufräumt, und denke mir: ›Was ist das nun eigentlich, träume ich oder sitzt wirklich der Bucklige vor mir und erhebt gegen mich Gott weiß was für Anklagen?‹
»Ich wollte Sie schon längst kennenlernen«, sagt mir ein erst vor ganz kurzer Zeit verstorbener bekannter russischer Dichter, den ich einhole, als er mit irgendeinem Jungen durch eine menschenleere Straße geht.
»Wo leben Sie denn jetzt?« frage ich den Dichter, mich vor ihm verbeugend.
»In Moskau«, antwortet er mir, »im Hause der Georgischen Kirche auf dem Woronzowschen Felde; die Kirche steht oben auf dem Berge, mein Haus aber unten zwischen den Disteln; es gibt dort so einen leeren Platz.«
Ich wollte ihn fragen, ob er noch schreibe, aber er war schon verschwunden. Und ich stand
plötzlich in der leeren Kirche, in deren Mitte viele Leichen unmittelbar auf den Steinfliesen aufgeschichtet lagen. Ich sah mir ihre Gesichter aufmerksam an und bemerkte, daß die eine von ihnen, obwohl wirklich tot, sich dennoch bewegte. Sie stand plötzlich auf und trat vor den Altar.
Wir sahen einander an. Sie war nackt, ihre Füße waren mit Teer beschmiert und ihr Gesicht hatte auffallende Ähnlichkeit mit der Somowschen Illustration zu ›Aimé Lebœuf‹.[4)]
Die alte Kinderfrau Irinja kehrt aber noch immer den Boden und räumt das Zimmer auf. Mein kleiner Liebling, der Kater Dymka, reibt sich an meiner Schulter und schnurrt.