»Ein Truthähnchen, ein kalikutisches Hähnchen«, flüsterte die Großmutter, als ob im kalikutischen Hähnchen das ganze Geheimnis, das ganze Glück von ihrem und Petkas Leben läge.
»Wird es bei uns wohnen?«
»Gewiß, Petuschok, wo denn sonst?«
»Wir werden es doch nicht aufessen, Großmutter?«
Großmutter antwortete nicht mehr, Großmutter war schon eingeschlafen, beglückt und erfreut durch die göttliche Gnade, durch den Gedanken an das kalikutische Hähnchen, das nach einundzwanzig Tagen aus dem Hühnerei kommen sollte.
Das Öllämpchen flackerte leise vor den Bildchen und Kreuzchen, vor den ›Vier Marienfesten‹: Maria Schutz und Fürbitte, Aller Leidenden Freude, der Muttergottes von Achtyrka und Mariä Erscheinung — und vor den ›Moskauer Wundertätern‹: Maxim dem Seligen, Wassili dem Seligen und Johannes dem Narren in Christo. Die Berge der ›Mutter-Einöde‹ glühten im Lichte der Nachtlampen rot und schnitten sich wie mit Flammenzungen in den Moskauer Kreml hinein.
»Großmutter, ich werde das Hähnchen lieben!« Petka-Petuschok, Großmutters Hähnchen, schlief mit diesen Worten ein.
Jeden Tag, ganz gleich, ob es nötig war oder nicht, schaute Großmutter in den Schuppen nach der Truthenne; sie dankte jedesmal Gott für die ihr erwiesene Gnade und zählte die Tage. Auch Petka zählte die Tage und war nicht weniger aufgeregt als die Großmutter; er ließ seinen Drachen nicht mehr steigen, dachte nicht mehr an seine Schlangenklapper und vergaß, daß er das Ei selbst unter die Truthenne gelegt hatte: er glaubte an das Hühnerei, als ob es ein echtes, von der Truthenne selbst gelegtes Ei wäre. Die Truthenne, die sich gegen jede Truthennensitte so unzeitgemäß auf das Ei gesetzt hatte, saß auf dem Hühnerei ruhig und fest und dachte gar nicht daran, aufzustehen und im Schuppen spazierenzugehen. Kam es daher, daß sie, seit sie auf der Welt war, bis in ihr tiefes Alter hinein, noch niemals gelegt und keine Ahnung von Eiern, weder von eigenen noch von Hühnereiern hatte? Oder daher, daß Petka durch seinen Willen wirkte oder Großmutters Gebet Gehör gefunden hatte — jedenfalls entbrannte in ihr die Brutlust wie bei einer richtigen Glucke, und die rosa Warzen auf ihrem Kopfe wurden immer blasser.
Und so vergingen zwanzig Tage und ein Tag.
Petka konnte nicht mehr schlafen: »Und wenn kein Hähnchen herauskommt, wenn es ein taubes Ei ist?« Wie konnte er auch schlafen? Jeden