Der Räuber gebrauchte lauter unverständliche und schwierige Worte und machte mit dem Finger die Gebärde des Halsabschneidens. »Eine Gräfin werde ich mir zur Frau nehmen!«
Und je wärmer es dem Räuber wurde, um so verworrener und unwahrscheinlicher klangen seine Worte. Petka hörte dem Vater mit offenem Munde zu und starrte auf seine dreistufige Nase. Großmutter schüttelte den Kopf.
»Petka und ich haben nur den einen Wunsch, daß dem Hähnchen nichts geschieht. Sonst brauchen wir nichts«, flüsterte Großmutter, als müßte sie Petka und sich rechtfertigen.
Der Räuber trank die letzte Tasse Tee aus und ging mit Großmutters letztem Kleingeld in der Hand fort. Großmutter blieb mit Petka und dem kalikutischen Hähnchen allein. Sie räumten alles auf, stellten den Samowar weg, spülten die Tassen ab und fegten mit einem Flederwisch die Brotkrumen in einen Beutel; Petka machte seine Schulaufgaben, dann saßen sie noch eine Weile beisammen, gähnten, schwiegen und schlugen so den Abend tot. Nachdem sie das Abendgebet gesprochen hatten, sahen sie unter das Sofa nach dem Hähnchen: ob es schon schlafe oder nicht. Das Hähnchen schlief schon längst. Nun gingen sie selbst auch zu Bett.
Petka wälzte sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Auch Großmutter drehte sich immer von der einen Seite auf die andere: sie fühlte Unruhe und Angst.
»Petuschok!« rief Großmutter, als sie ihre Angst nicht länger bemeistern konnte.
Petka warf sich im Bette mit offenen Augen hin und her: er sah sich schon als Räuber und baute sich aus den unverständlichen Räuberworten, die er vom Vater gehört hatte, Räubertaten und ein Räuberleben auf.
»Petuschok, du, Petuschok!« rief Großmutter noch leiser, noch freundlicher.
»Was ist denn, Großmutter?« Petka sprang auf: es war ihm, als hätte er Großmutters Stimme gehört.
»Ich bin es, Petuschok, fürchte dich nicht.« Großmutter konnte vor Angst kaum sprechen. »Geh nicht fort, Petuschok . . .«