»Es ist unserer großen Sünden wegen«, flüsterte Großmutter. Sie war von ihrer Arbeit mit den Spänen ganz erschöpft, blieb aber doch nicht hinter Petka zurück.
Er war aber ein ganzer Kerl! Er kletterte ganz hinauf, wo die rote Fahne wehte, schob sich die Mütze, die Mütze mit dem Lacklederschirm, wie ein verwegener Kosak schief aufs Ohr, und die Fahne über ihm leuchtete so rot wie ein Kelchtuch.
»Klettere auch du herauf; Großmutter!« rief Petka, der singende Petuschok, zu seiner Großmutter hinunter.
Wie konnte sie hinter ihm zurückbleiben? Selbst auf den Sucharewturm würde sie hinaufklettern!
Als zur Abendmesse geläutet wurde und zugleich mit dem Glockengeläut die unheimliche Kanonade dröhnte, machte Großmutter sich bereit, in die Messe zu gehen. Petka war vorausgelaufen und spielte mit den anderen Kindern beim Kuhstall des Diakons; sie spielten ›Kosaken und Streikende‹.
Als Großmutter ihre gesteppte Wattejacke angezogen und den Kopf in ein schwarzes Wolltuch gewickelt hatte, sah sie unter das Sofa nach dem hungrigen Hähnchen, ob es schon schlafe oder nicht: das Hähnchen schlief. Sie brachte das Öllämpchen in Ordnung — aus der Dämmerung blickten die Antlitze der Wundertäter und der Muttergottes sie an —, und es wurde ihr plötzlich ganz traurig zumute.
Sie seufzte, weil sie jetzt so dürftig leben mußten: die Feiertage rückten heran, und sie hatte nichts, um sie zu begehen! So schwer hatte sie es, und es war schon Zeit, daß sie starb; und Petka tat ihr so leid . . . Er war ja noch ein kleines Kind! . . . Wenn er doch schon auf eigenen Beinen stünde! Aber er war ja noch ein unmündiges Kind.
»Heilige Muttergottes, Allgepriesene, Fürbitterin . . .« Großmutter legte die Finger zusammen, um sich zu bekreuzigen.
»Macht schon ein Ende!« sagte jemand hinter der Wand entweder bei den Stubenmalern oder bei den Mützenmachern; wahrscheinlich jemand, der gekommen war, um die Arbeiter zum Streik zu ermuntern.
Großmutter fuhr zusammen und wandte sich um: in der Tür stand ihr Neffe, der Räuber.