er noch niemals gesehen; er weiß aber ganz genau, wo der Wassergott im Flusse seine Wohnung hat; und wenn im Frühjahr das Wasser steigt und die Dämme zerreißt, weiß Atja sehr gut, was das zu bedeuten hat.

›Wenn ich nur einmal zum Wassergott auf die Hochzeit kommen könnte!‹ träumt Atja. ›Die Wasserprinzessin ist so schön, und die Meerprinzessin ist noch schöner . . . sie ist wie die Klawdija Gurjanowna . . .‹

2

Atja bewahrt alle diese Gedanken in seinem Herzen und spricht mit niemand davon. Kljutschi ist sein Geheimnis! Selbst seine Busenfreunde Romaschka und Charpik sind nur zum Teil eingeweiht; nur Klawdija Gurjanowna allein würde er alles enthüllen. Warum gerade ihr, das weiß er selbst nicht. Aber sie ist einmal so!

Er fühlt sich immer zu ihr ins Zimmer hingezogen; er liebt es, wenn sie mit ihm Tee trinkt, ihm Bonbons und Apfelsinen schenkt und ihn zu lachen zwingt; wenn sie ihn auf den Newski in die Läden oder in ein Kino mitnimmt. Er weiß, daß sie ganz anders ist als alle, daß man eine zweite Klawdija Gurjanowna nirgends findet: das weiße Gesicht ist stark gepudert, das Haar fällt in gebrannten Löckchen auf die Stirn herab, die Lippen sind rot geschminkt, die Augen schmal wie

Ritzen; alles ist an ihr so winzigt, als ob sie überhaupt kein Gesicht hätte; ihr Kleid ist vorn ausgeschnitten und raschelt so seltsam; auch ihre Stimme klingt ganz eigen; niemand spricht so wie sie; er könnte ihr immer zuhören und sie immer anschauen.

Atja kommt oft ohne jeden Grund zu ihr ins Zimmer, steht schweigend da und starrt sie an. Wenn sie ihn etwas fragt, so antwortet er so schüchtern und kurz; daß sie nichts verstehen kann.

»Ach du dummer, dummer Junge! Lache einmal!« sagt Klawdija Gurjanowna und lacht dabei selbst mit seltsam tiefer Stimme. Atja glaubt, das kann kein gewöhnliches Lachen sein; niemand sonst lacht so!

Einmal hielt er es nicht aus und sagte:

»Schön war es bei uns in Kljutschi . . . Da müßten Sie auch einmal hin . . .«