»Du weißt also, wo sie sind!« rief Klawdija Gurjanowna erfreut. Das war aber ein Mißverständnis: ›Kljutschi‹ heißt ja ›Schlüssel‹, und sie hatte gerade an diesem Tage die Schlüssel von ihrem Kleiderschrank verlegt und konnte sie unmöglich finden.

›Es ist noch zu früh‹, sagte sich Atja, ›es ist noch nicht die Zeit . . . Ich muß mich zuvor irgendwie auszeichnen, etwas Großes vollbringen, dann kann ich alles wagen . . .‹

Die Mutter sagte am gleichen Abend:

»Atja, du sollst doch nicht immer bei Klawdija

Gurjanowna stecken: das kann ihr unangenehm werden, und sie wird ausziehen.«

Da sie eine große Wohnung hatten und Atjas Vater, der Doktor, in diesem Jahre wenig verdiente, mußte ein Zimmer vermietet werden. In diesem Zimmer eben wohnte Klawdija Gurjanowna.

Ihr Erscheinen brachte neues Leben ins Haus. Alle Gespräche drehten sich um sie. Man beschäftigte sich nur mit ihr. Man erwies ihr alle möglichen Aufmerksamkeiten. Ihretwegen zog sich Atjas Mutter das Korsett an, während sie früher tagelang im Morgenrock umherging. Ihretwegen vermied es der Doktor, beim Mittagessen von seinen Operationen zu sprechen. Onkel Arkadi besorgte ihr Karten für Theater und Konzerte.

Sooft von ihr gesprochen wurde, spitzte Atja die Ohren und merkte sich jedes Wort.

Atja mußte sich jeden Morgen vom Kopf bis zu den Füßen waschen: in der Küche wurde ein Waschfaß aufgestellt, Atja zog sich aus und plätscherte im Wasser.

»Du bist nicht mehr so klein, daß du nackt umherlaufen kannst«, bemerkte einmal die Mutter. »Klawdija Gurjanowna kann dich doch einmal sehen.«