Dies geschah am ersten oder zweiten Tage nach dem Auftauchen der geheimnisvollen Dame. Die Worte der Mutter erschienen Atja im ersten Augenblick unverständlich; erst später

wurde ihm der Sinn dieser Worte klar und bestätigte seine eigenen Wahrnehmungen.

›Vor der Köchin Fjokluschka, vor Mama, und in Kljutschi vor der Patin, vor Panja und Sascha brauche ich mich nicht zu schämen‹, sagte sich Atja, ›weil sie alle wie die anderen Menschen sind; vor ihr darf ich aber nicht ohne Hemd umherlaufen, denn sie ist anders als alle: sie ist einzig!‹

Bald erfuhr er von Fjokluschka, daß Klawdija Gurjanowna eine Mätresse, ein ausgehaltenes Frauenzimmer, sei. Dieses Wort, das er zum erstenmal im Leben hörte, bekam für ihn sofort einen ganz anderen Sinn: es bedeutete in seiner Vorstellung nicht mehr und nicht weniger als den Inbegriff aller Gescheitheit und allen Reichtums.

›Ausgehalten, Gehalt . . .‹ kombinierte Atja. ›Wenn in meinem Aufsatz kein Gehalt ist, so gibt’s eine Vier; ist aber im Aufsatz Gehalt, so bekomm ich eine Eins. Der Rektor bekommt ein großes Gehalt. Gehalt bedeutet Geld.‹

Nicht umsonst wandten sich alle im Hause, wie Atja bald merkte, in schwierigen Fällen an Klawdija Gurjanowna, um ihre Meinung zu hören; nicht umsonst trug sie eine lange Halskette, die ihr bis zu den Knien reichte, und einen weißen Pelz mit schwarzen Schwänzchen, wie ihn die Kaiserin hat.

Der Doktor kam eines Abends sehr spät nach Hause und sprach während des Essens kein

Wort. Als man aber zum Nachtisch einen Auflauf reichte, der gerade an diesem Tag nicht aufgegangen war, sagte er ziemlich gereizt zu der Mutter:

»Es paßt mir gar nicht, daß du eine Prostituierte bei uns einquartiert hast . . .«

Das war ein schwieriges Wort, und Atja konnte es sich unmöglich erklären, sosehr er sich auch den Kopf zerbrach.