»Ja, der Abgeordnete«, antwortete die Mutter.

Bald erfuhr Atja, wer dieser Gast war.

Mutter teilte Onkel Arkadi eines Tages die letzte Neuigkeit mit: der Doktor habe sich entschlossen, die Zeitung abzubestellen, da zu Klawdija Gurjanowna jeden Tag ein Mitglied der Reichsduma käme und sie alles viel besser wisse als jede Zeitung.

›Ein ungewöhnlicher Gast!‹ sagte sich Atja. ›Einer aus der Reichsduma! Der bedeutet natürlich viel mehr als Iwan Martynytsch und Iwan

Jewsejitsch. Vielleicht ist er gar so viel wie der ›Grieche‹ Kopossow, der Klassenlehrer der dritten Klasse.‹

Einmal begegnete Atja dem Gast im Hausgange und verbeugte sich vor ihm wie vor dem Schulinspektor. Er stellte fest, daß der Abgeordnete ebenso kahlköpfig war wie der Religionslehrer, den die Schüler ›den Chinesen‹ nannten, und viel schöner gekleidet als Onkel Arkadi. Onkel Arkadi war zwar Schauspieler, hätte aber dem Abgeordneten nicht einmal die Schuhe putzen dürfen.

Die Abendstunden verbrachte Klawdija Gurjanowna mit der Mutter im Eßzimmer; sie sprachen von allen möglichen Dingen. Atja saß im Nebenzimmer, tat, als ob er seine Aufgaben machte, und hörte dem Gespräch zu. Das Gespräch drehte sich meistens um den Abgeordneten.

Es stellte sich allmählich heraus, daß er verheiratet war und zwei erwachsene Töchter hatte; seine Frau liebte er so sehr, daß er ohne sie gar nicht atmen konnte. Die bittere Notwendigkeit zwang ihn aber, fern von ihr in Petersburg zu leben; statt sich Briefe zu schreiben, wechselten sie tagtäglich Telegramme.

»Als ich ihn kennenlernte«, erzählte einmal Klawdija Gurjanowna, »sagte er mir: Meine liebe Klawdija Gurjanowna, ich kann ohne Sie nicht leben; bleiben Sie in Petersburg, solange ich Mitglied der Reichsduma bin.«

»Meine Prinzessin«, flüsterte Atja, über dem Lesebuch sitzend, »ich bleibe aber ewig bei dir!«