»Sofort!« Sie stieß Atja zurück und wies ihn mit der Hand unter das Bett.

Atja huschte gehorsam unter das Bett und verharrte dort mit angehaltenem Atem und geschlossenen Augen: er glaubte, wenn er niemanden sähe, so würde auch ihn niemand entdecken. Er kauerte unter dem Bett genauso wie einst in Kljutschi im Geflügelstall, als er Gänseeier auszubrüten versucht hatte. Er atmete nicht, er sah nichts, er hörte aber alles.

Es war der Abgeordnete. Er entkleidete sich. Er legte den Rock ab, zog dann die Schuhe aus. Ein Kragenknopf fiel hinunter, rollte klirrend über den Boden und blieb unter dem Bett vor Atjas Füßen liegen. Atja wurde es unerträglich heiß: als ob es nicht ein Kragenknopf, sondern eine glühende Kohle wäre, die ihn mit fürchterlicher Glut anhauchte. Die beiden sprachen miteinander. Es waren ganz gewöhnliche Worte, wie sie von allen und zu allen gesprochen werden. Atja überlief es aber beim Zuhören bald heiß und bald kalt. Die Worte klangen für ihn wie die gemeinsten Schimpfworte. Plötzlich hatte er begriffen, daß sie nicht die einzige, nicht die Prinzessin, sondern so wie die andern war, um kein Haar anders. . . Und er sah sich in einer Wüste . . . Er drückte sich die Ohren zu, um nichts zu hören,

hörte aber jedes Wort; es war ihm, als ob man ihn schlüge, wie man einmal in Kljutschi einen Dieb, der sich unter das Bett in der Küche verkrochen, geschlagen hatte: auf das Gesicht, den Kopf, den Bauch: seine Augen blickten schon ganz gläsern, er war halb tot. »Macht doch schon ein Ende mit ihm!« — »Nein«, riefen die andern, »der soll nur warten!« Und man ließ ihn für eine Weile los, und schlug ihn dann wieder . . . Atja war es plötzlich, als ob man ihm mit dem stumpfen Ende eines Beiles einen Schlag auf den Schädel versetzt hätte . . . Alles stürzte zusammen . . . Es war wie der Tod . . .

Erst als der Gast das Haus verlassen hatte und Klawdija Gurjanowna sich ankleidete, kroch Atja unter dem Bett hervor. Er blickte sie nicht mehr an und gab ihr auf die Frage, ob er sie am Nachmittag auf den Newski begleiten möchte, keine Antwort.

Ohne Bücher und ohne Frühstück ging Atja ins Gymnasium. Er sah nicht, was um ihn her vorging. Er wußte selbst nicht, wie er schließlich doch ins Gymnasium kam. Bald nach Beginn der ersten Stunde bat er, austreten zu dürfen. Der Lehrer erlaubte es ihm. Er ging aus der Klasse und war nun allein in einem leeren Raume; irgendwo tröpfelte Wasser. Und jetzt erinnerte er sich an alles: die Erinnerung wälzte sich ihm auf die Seele wie ein schwerer Stein! Seine Prinzessin war nicht mehr . . . Tränen rollten ihm die Wangen hinab. Atja weinte zum erstenmal in seinem

Leben. So wird die Erde zum letztenmal weinen, wenn vom Himmel die Sterne stürzen.

O wär diese Nacht

Nicht so schwül, nicht so schön,

So müßt nicht das Herz