Am Abend nach der Beerdigung, als es im Hause plötzlich so leer war und alle abgespannt und schwermütig herumsaßen und herumirrten, kam plötzlich ein dringendes Telegramm von Ramejkow aus Moskau: Alexandra Pawlowna sollte sofort hinreisen.

Sie reiste noch in der gleichen Nacht ab.

Sina und Sonja waren in der größten Sorge, Pjotr Nikolajewitsch schien aber ganz ruhig, als ob gar nichts vorgefallen wäre. Er änderte auch nichts an seiner Lebensweise und seinen Gewohnheiten. Der einzige Unterschied war der, daß er in diesen Tagen noch mehr Hühner schlachtete als sonst. Das hatte aber einen Grund: Sina, die sich bei Mischas Beerdigung erkältet hatte, lag krank zu Bett und brauchte besondere Diät. Und dann noch etwas — das ist aber nur eine seiner Schrullen! —, er ließ zu Mittag die riesengroße Ochsenzunge auftragen, die noch vom Hochzeitsmahl übriggeblieben war.

Endlich kam aus Moskau die Nachricht: Lida hatte sich erhängt. Groß war der Schmerz der Familie.

Nun wurde der zweite Sarg in die Suchotinsche Familiengruft versenkt. Im Hause wurde es noch öder und einsamer. Alexandra Pawlowna schlich tagelang wie ein Schatten umher.

Sie konnte sich jetzt nicht verzeihen, daß sie ihre Zustimmung zu dieser Ehe gegeben hatte: sie hatte ja den Ramejkow als einen leichtsinnigen und gemeinen — ja, ganz gemeinen! — Menschen gekannt. Warum hatte sie Lida nicht gewarnt? Lida hätte doch sicher auf ihre Warnung gehört. Sie hätte sie leicht überzeugen können, denn sie kannte so viele häßliche und gemeine Geschichten aus Ramejkows Vorleben, über die sogar am Hochzeitstage in ihrem Hause getuschelt wurde.

Nun war es zu spät. Gewissensbisse halfen nicht. Alexandra Pawlowna schrie beinahe vor Schmerz.

Pjotr Nikolajewitsch war etwas abgespannt, doch wohl kaum aus Schmerz über die Verluste. Der Tod der beiden Kinder rief in ihm nur die gleiche Neugier hervor wie der Tod jedes andern, ihm gänzlich fremden Menschen. Seine Abgespanntheit rührte eher von einer schlaflosen Nacht her. Lidas Leiche war in einem geschlossenen Sarge nach ›Gottessegen‹ gebracht worden; Pjotr Nikolajewitsch bestand aber darauf, daß der Deckel abgeschraubt wurde. Er enthüllte mit

eigenen Händen das Gesicht seiner Tochter und stand dann die ganze Nacht vor dem Sarge, den Blick unverwandt auf die Tote gerichtet. Nun saß er, mit seinem flaschengrünen Schlafrock angetan, in einem Lehnsessel und schlummerte.

So verging die Nacht nach Lidas Beerdigung.