›Teufel‹ hing einfach in der Luft, und zwar in der gleichen Höhe wie das ›gewissermaßen‹ des Adelsmarschalls, mindestens ebenso klar war es auch, daß Sergej Sergejewitsch ohne diesen ›Teufel‹ undenkbar war und daß, wenn man ihm diese Eigenheit genommen hätte, man es nicht mehr mit Sergej Sergejewitsch Wersenew, sondern mit einem ganz anderen Menschen zu tun haben würde.
Wersenew konnte sich gut an seine Mutter erinnern.
Fedossja Alexejewna stammte aus einer alteingesessenen Moskauer Kaufmannsfamilie mit alten Traditionen. Unendliche Abendgottesdienste, Frühmessen, Heilung von Besessenen im Simonskloster, Schlittenfahrten im Karneval, rote Osterkerzen, Glockengeläut im Kreml, Maifeiern im Sokolniki-Wäldchen, Berichte von Pilgern, Wallfahrten nach dem Troiza-Sergius-Kloster, Kirchenprozessionen und die strenge Hausordnung im Vaterhaus — das war das Wiegenlied, unter dem sie aufgewachsen war, das erste rote Bändchen in ihren Zopf geflochten, das erste Feuer in ihrem verzagten Herzen und ihren weitgeöffneten Augen entzündet und ihr erstes Lächeln durch ihren ersten Kummer getrübt hatte.
Aus dem alten, frommen Moskau kam sie plötzlich in das Wersenewsche Herrenhaus, nach Krutowrag mit dem grundlosen Weiher und dem
gewölbten Keller, an dessen Wänden braune Blutspritzer zu sehen waren.
Wenn Wersenew an seine früheste Kindheit dachte, so erhob sich vor ihm sofort wie im Nebel das Bild seiner Mutter. Niemals konnte er vergessen, wie sie Tage und Nächte hindurch am Eckfenster ihres Zimmers im Obergeschoß gesessen hatte. Er schlief in ihrem Zimmer und war immer bei ihr. Und wenn er nachts erwachte, sah er sie oft am Fenster sitzen.
Als er größer wurde und erfuhr, daß auch er, wie die andern Kinder, einen Vater hatte und daß dieser Vater sich irgendwo im Auslande, fern von Krutowrag aufhielt, als er erfuhr, daß seine Mutter immer den Vater erwartete und darum die Nächte aufblieb, begann auch er selbst auf den Vater zu warten.
Manchmal kamen Briefe vom Vater.
Mit welcher Ungeduld bestürmte der Knabe die Mutter, ihm diese Briefe vorzulesen!
Die Briefe waren aber kurz und stets vom gleichen Inhalt: anfangs war die Rede vom Geld, und dann gab er den Tag seiner Ankunft in Krutowrag an.