am Fenster stand, während die Regentropfen gleichmäßig und unaufhörlich gegen die Scheiben prasselten; ein Tropfen folgte dem andern, ein Bächlein dem andern. Wie sie ihn, ohne mit den Wimpern zu zucken, die Mundwinkel traurig gesenkt, ansah und später mit unbeweglichen Blicken begleitete, so starr, als trüge er das ganze Blut ihres Körpers, die ganze Kraft ihrer Seele und die ganze Hoffnung ihres Herzens mit fort, als hätte er es ihr entrissen und ginge damit fort!
Am nächsten Abend traf er sie zufällig auf der Kukuschkin-Brücke. Er hatte sich nicht geirrt: sie war es. Er erkannte sie an ihrem Blick, der ebenso unbeweglich war wie am vorigen Tag. Und etwas später hörte er etwas in das ekle schwarze Wasser des Kanals plumpsen. Er blickte aber nicht einmal zurück und setzte seinen Weg fort.
War er es, der sie in das ekle schwarze Wasser gestoßen hatte?
»Teufel!« wehrte sich Sergej Sergejewitsch, als ihm die Geschichte wieder in den Sinn kam.
Bald nach diesem Vorfall mußte er plötzlich nach Krutowrag abreisen: sein Vater lag im Sterben.
Der alte Sergej Petrowitsch Wersenew starb ganz allein und ließ niemanden, weder den Arzt noch den Geistlichen, zu sich herein. Nur in den allerdringendsten Fällen durfte als einzige ›Kreatur‹ der Lakai Sinowi sein Zimmer betreten. Der
Alte wollte nichts genießen und schloß des Nachts kein Auge.
Im ganzen Hause konnte niemand schlafen. Allen war es so unheimlich zumute; man hatte Angst zu sprechen und selbst zu flüstern.
Alle Zimmer waren erleuchtet, und alle Türen standen weit offen; nur die Tür des Arbeitszimmers war fest verschlossen.
Sergej Sergejewitsch kam zu einer späten Nachtstunde in Krutowrag an; er wollte den Vater nachts nicht stören und sich erst am Morgen bei ihm melden. Der Vater fühlte aber sofort, daß der Sohn gekommen war, und ließ ihn durch Sinowi rufen.