Sergej Sergejewitsch hörte sogar auf, die Kirche zu besuchen; selbst während des Gottesdienstes konnte er sich seiner Redensart nicht mehr enthalten, was bei den Betenden großes Ärgernis hervorrief. Einmal führte es sogar zu einem unliebsamen Auftritt: der Kirchenälteste, Goloweschkin, versuchte während eines Festgottesdienstes an Kaisers Geburtstag den ›Freimaurer‹ zu ohrfeigen. Seit diesem Zwischenfall kam Sergej Sergejewitsch nie wieder in die Kirche.

In seinem Schlafrock aus weißem Flanell, mit der Zigarre im Munde, irrte Wersenew tagelang durch die leeren Zimmer. Die glimmende Zigarre beleuchtete seine eingefallenen trüben Augen und den grün angelaufenen grauen Schnurrbart.

Er hatte nichts, um die Zeit totzuschlagen. Was sollte er tun? Doch nicht mit den Kinderspielsachen spielen! Er hatte sich so sehr an den ewigen Lärm und die lustigen Gäste, an seine Frau und seine Kinder gewöhnt: achtzehn Jahre hatten ja die Wersenews zusammen gelebt!

Oft stand er stundenlang vor der Balkontür und zählte die Krähen, die über den nackten Linden

kreisten . . . Wie viele waren es, und warum krächzten sie so? Oder er ging ins Eckzimmer im Obergeschoß, wo einst seine Mutter Fedossja Alexejewna gesessen hatte, setzte sich wie sie ans Fenster und sah auf die Landstraße hinaus . . . Wohin führte die Straße, und hatte sie irgendwo ein Ende? Oder er hörte dem Rauschen der Pappeln vor dem Hause zu . . . Worüber tuschelten sie? Manchmal saß er im Sessel seines Vaters, vor dem Schrank mit dem astronomischen Globus, starrte auf einen Punkt, vielleicht sogar auf denselben Punkt, wo seinem Vater die echten Teufel ohne Hörner und Schweife erschienen waren, und schlief, im Sessel kauernd, ein . . .

»Teufel!« klang es Tag und Nacht, im Wachen und im Schlafen durch das leere Haus.

Als die ersten Fröste kamen und man die Doppelfenster einsetzte, dichtete man auch die Balkontür mit Werg und Kitt ab.

Nun kamen die dunklen Wintertage und die langen Winternächte.

Im Wersenewschen Hause wurde es noch leerer, leer wie in einem großen Keller.

Wenn er doch wenigstens ruhige Träume hätte.