Einmal träumte ihm, er, Sergej Sergejewitsch Wersenew, Hauptmann a. D., siebenundvierzig Jahre alt, sei gar kein Mensch, sondern krieche als ein böses, rachsüchtiges, giftiges Insekt, eine Art Tausendschwanz, über eine Wiese und klammere sich mit den Beinen an den Grashalmen
fest. Es ist ein kalter Sommermorgen, es beginnt erst zu dämmern, und am Himmel steht ein riesengroßer blasser Mond mit rötlich schimmerndem Rand. Sergej Sergejewitsch Wersenew kriecht als ein Tausendschwanz über das Gras; er weiß, daß es ganz gewöhnliches Krutowrager Gras ist, aber die Halme erscheinen ihm so dick und hoch wie Schilf, das Schilf größer und dicker als jeder Baum und das schwarze Erdreich als ein Haufen von Riesenklumpen. Er hat es so schwer: er muß auf jeden Halm hinaufkriechen, dann wieder hinunter und wieder hinauf. So kriecht er und weiß nicht, wohin er kriecht und warum er dazu verurteilt ist, von Halm zu Halm zu kriechen. Er vergeht vor Bosheit, der Haß vergiftet sein Herz, und er ist so furchtbar müde. Am Himmel steht der riesengroße blasse Mond mit rotglühendem Rand, und es ist so furchtbar kalt.
Er erzählte einmal diesen Traum P. Astriosow. Dieser gab die kurze Deutung: »Das bedeutet, daß ein Witterungsumschlag bevorsteht.« Sergej Sergejewitsch lächelte.
»Mir ist so eigen zumute«, sagte er, »als ob alles nicht echt wäre.«
Ein anderes Mal versuchte er, seinen Traum dem Lakai Sinowi zu erzählen; er blieb aber mitten im Satze stecken und zischte wie der selige Sergej Petrowitsch durch die Zähne:
»Die Seele haben sie mir gestutzt . . . Teufel!« Und er brach in Tränen aus.
Dem kleinen Pjotr soll er aber gesagt haben:
»Wenn ich doch in Armut, auf einem Strohlager sterben könnte, Pjotr!«
Sergej Sergejewitsch langweilte sich furchtbar.
Wie sollte man sich ohne Beschäftigung und ohne Gäste an trüben Wintertagen nicht langweilen?