Dscheha führte seine Frau weg und nahm überdies diese unendlichen Reichtümer mit.
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DScheha führte also seine Frau heim; aber als sie ankam, gefiel ihr das Haus gar nicht, weil sie es voller Schmutz fand. »Was?« sagte sie sich; »dieser Mensch hat mich zum besten gehabt. Er hat mir gesagt: ›Ich bin ein Sultanssohn, ich bin aus einem großen Hause‹; jetzt sieht man, wie schlecht es mit seinem Hause bestellt ist.« Aber sie verschloß diese Gedanken in ihrem Herzen und wollte sie niemand kundtun.
Es kam das Fest heran, und sie sah Dscheha zur Arbeit gehn, obwohl alle Welt dem Feste zu Ehren feierte. »Si Dscheha,« sagte sie zu ihm, »was tust du? alle Welt feiert des Festes halber, und du gehst arbeiten! Hast du mir nicht seinerzeit gesagt: ›Mein Vater ist Sultan‹, und wieder: ›Ich habe ein schönes Haus, ich bin aus einem großen Hause‹?«
»Meine Liebe,« antwortete Dscheha, »es ist wahr, ich habe das gesagt, und ich habe nicht gelogen; ich will jetzt nur eine kleine Arbeit verrichten.«
»Kein Mensch verrichtet in der Festzeit eine Arbeit, weder eine kleine, noch eine große; man arbeitet an den andern Tagen genug.«
»Das ist wahr, meine Liebe. Aber wenn mich die Dorfleute feiern sehn, feiern sie; sehn sie mich zur Arbeit gehn, gehn auch sie. Ich, ich bin wohl in der Lage, nichts zu tun; mir wird es an nichts mangeln. Daß ich öffentlich so tue, geschieht nur, damit nicht die Kinder des Volkes unaufhörlich im Hunger leben.«
Ein andermal sagte sie zu ihm: »Si Dscheha, wie ist nur das Kleid, das du trägst, zugeschnitten? warum kleidest du dich nicht wie die Sultanssöhne?«
»Meine Liebe,« antwortete er, »auf schöne Kleider gebe ich nichts der Leute halber; sie machen alles, was ich mache: gehe ich ihnen im Müßiggang voran, so arbeiten sie auch nichts mehr; gebe ich ihnen ein Beispiel mit schönen Kleidern, so werden auch sie sich, wenn sie ein paar Groschen haben, solche kaufen, und die ganze Familie wird Hunger leiden.«
»Wieso ist es möglich gewesen, Si Dscheha, daß du mir gesagt hast: ›Ich bin Sultan‹? Ich sehe dich doch niemals das Herrscheramt ausüben. Niemand im Volke nennt dich Sultan oder Sultanssohn. Du hast mich belogen; du bist sicherlich nichts sonst als ein Bettler und legst dir die Eigenschaft eines Sultans fälschlich bei.«