»Ich frage dich,« antwortete Dscheha, »was deine Absicht ist. Hast du die Absicht, hier zu bleiben, so mach nicht die Närrin und bleib in deinem Hause. Wenn du merkst, daß du den Verstand verloren hast und meiner vielleicht überdrüssig bist, so geh wieder heim zu deinem Vater. Ich liebe keine Leute, die sich, obwohl von geringem Stande, doch besser dünken als die andern. Ich für meine Person bin der Sultan meiner Brüder, und es ist mir unmöglich, jemand unrecht zu tun, wer immer es sei.«
»Ich glaube es nicht eher, daß du Sultan bist, als bis du den Muezzin getötet hast, der mich jeden Morgen so zeitlich früh weckt.«
»Morgen werde ich ihn töten,« sagte Dscheha. »Ich werde dir seinen Kopf bringen, und du wirst so erkennen, ob ich ein Sultan bin oder ein Betrüger.«
415.
AM nächsten Morgen ließ Dscheha den Muezzin bis auf die Spitze des Minarets steigen; dann ging er ihm nach und schlug ihm den Kopf ab. Den gab er seiner Frau mit den Worten: »Da hast du den Kopf des Menschen, der dich alle Morgen früh geweckt hat.«
Und sie sagte: »Nun sehe ich, daß du Sultan bist.«
Dscheha ging einen Hammel kaufen, und den kehlte er ab. Den Kopf des Muezzins warf er in den Brunnen; den Kopf des Hammels, den er getötet hatte, versteckte er und legte ihn unter eine große Holzschüssel.
Gegen Mittag begannen die Leute den Muezzin zu suchen, konnten ihn aber nicht finden. Endlich stiegen sie aufs Minaret, und dort fanden sie ihn tot mit abgeschlagenem Kopfe. Und sie sagten: »Wer hat unsern Muezzin getötet?« Einer nahm das Wort und sagte: »Si Dscheha habe ich heute zeitlich früh hier heraufsteigen sehn; der hat ihn vielleicht getötet.«
Sie gingen zu Si Dscheha und sagten zu ihm: »Si Dscheha, hast du den Muezzin getötet?«
»Nein,« antwortete er. »Was hat er mir getan, daß ich ihn hätte töten sollen? Seht nach, wer mit ihm auf schlechtem Fuße gestanden ist; der hat ihn auch getötet. Ich war es nicht.«