An diesem Tage legte er am Morgen einen toten Hasen neben einen Baum, der mehr als fünfhundert Schritt vom Dorfe entfernt war, und zeigte ihn seinem Hunde. Zu Mittag lud er seine Nachbarn ein, den Kaffee vor seiner Tür zu nehmen. Es kamen Leute von allen Seiten, und es war eine große Menge da, als sich Si Dscheha plötzlich erhob und schrie: »He, Freunde! seht ihr dort unten den Hasen neben dem Baume?« Alle machte große Augen und blickten angestrengt hin; da sie nichts sahen, sagten sie zu Dscheha: »Du bist ein Narr; wieso könntest du denn einen Hasen auf diese Entfernung sehn?«

»Ich begreife,« antwortete Dscheha, »daß ihr ihn mit euerm schwachen Gesichte nicht bemerken könnt; aber ich sehe ihn.« Dann wandte er sich an seine Frau: »Bring mir meinen Bogen und meine Pfeile. Ich will einmal diesen jungen Leuten zeigen, daß weder mein Auge, noch mein Arm schwach geworden ist.« Er nahm einen Pfeil und schoß ihn ins Blaue ab. »Ich habe ihn getroffen!« schrie er. Und zu seinem Hunde: »Lauf, Packan, und bring den Hasen; heute Abend wollen wir ihn essen.« Der Hund sprang auf und lief davon. Einen Augenblick später kam er zurück, im Maule einen bluttriefenden Hasen.

Alle Welt war verdutzt. Von nun an machte man sich nicht mehr über Si Dscheha lustig, der das Stückchen noch drei- oder viermal aufführte. Ausnahmslos waren alle überzeugt, daß Dschehas Schießfertigkeit und Sehschärfe verblüffend waren. Und von diesem Tage an ehrte ihn das Volk noch mehr als früher.

418.

DScheha hatte einen Freund, und das war der einzige Mensch auf der Welt, zu dem er ein volles Vertrauen hatte; er aß und trank sehr häufig bei ihm. Allen andern Menschen mißtraute er.

Eines Tages kam nun sein Freund und sagte zu ihm: »Komm mit mir spazieren gehn.«

»Mein Freund,« antwortete Dscheha, »ich bin nicht frei. Da du jedoch selber gekommen bist, so lasse ich meine Geschäfte und begleite dich. Wäre ein anderer zu mir gekommen, und hätte er mir alle Güter der Erde gegeben, ich hätte ihn nicht begleitet. Da aber du es bist, so kann ich dich nicht also verabschieden.«

Er ging und begleitete seinen Freund, und der sagte, als sie bei seinem Hause waren: »Komm mit hinein, Si Dscheha.«

»Mein Freund,« sagte Dscheha, »das sind die Gemächer der Frauen; zu den Frauen uns zu setzen, schickt sich nicht. Gehn wir lieber in ein Zimmer, wo wir allein sind.«

Nun hatte dieser Freund für Si Dscheha in den Frauengemächern eine Grube gegraben; Dscheha wußte davon nichts. Als Dscheha geantwortet hatte: »Gehn wir zwei ganz allein ins Zimmer,« sagte der andere zu ihm: »Warum sollen wir uns nicht im Hause einrichten? es ist leer. Das Zimmer ist klein, und nicht einmal ein einzelner Mann hätte genug Platz, sich zu setzen.«