Und so machte sich Hiohà davon.

436.

EInes Tages sagte Juvadi zur Mutter: »Geh du aufs Feld arbeiten; ich bleibe zu Hause.« Und die Mutter antwortete: »Verrichte du alles; ich gehe aufs Feld. Laß die Katze nicht zu den Speisen, bring das Bett in Ordnung, gib acht auf die Gluckhenne und geh zum Flusse und besorge die Wäsche.« Juvadi antwortete: »Ja, ja, Mutter.«

Und so ging sie aufs Feld. Aber anstatt das Bett in Ordnung zu bringen, riß es Juvadi auseinander, nahm Polster und Strohsäcke und warf sie mitten ins Haus; und er füllte eine Schwinge mit Mist und beutelte ihn im Hause aus. Dann sagte er: »Ich bin hungrig.« Und er nahm und aß alle Speisen; hierauf nahm er einen Kessel und sott die Gluckhenne samt den Küchlein und aß sie. Dann tat er die Wäsche in einen Tragkorb und ging damit zum Flusse; er warf sie ins Wasser und ging.

Wie er so dahinging, traf er einen Esel, und den packte er beim Schwanz; der Esel schlug aus und verletzte ihn am Bein. Unter bitterlichen Tränen ging Juvadi nach Hause; er verschloß die Tür und setzte sich auf den Herd.

Am Abende kam die Mutter heim und rief an der Tür: »Juva’, mach mir auf.« Er antwortete: »Nein.« »Ist dir etwas geschehn?« »Ja.« »Und was ist dir denn geschehn?« »Die Katze hat die Speisen gefressen.« »Das macht weiter nichts; wir kaufen andere. Mach mir auf, Juva’.« »Nein.« »Warum denn? ist dir noch etwas geschehn?« »Ja.« »Und was denn?« »Die Gluckhenne und die Küchlein sind weg.« »Das macht weiter nichts; mach mir nur auf.« »Nein.« »Und warum denn nicht? ist dir noch etwas geschehn?« »Ja.« »Und was ist dir denn geschehn?« »Ich bin zum Flusse waschen gegangen, und das Wasser hat die Wäsche weggeschwemmt.« »Ach das macht weiter nichts; öffne mir.« »Nein.« »Was ist dir denn geschehn?« »Ein Esel hat mich am Beine verletzt.«

Nun erbrach die Mutter die Tür, und da fand sie das ganze Haus verwüstet. Sie wäre bald vor Schreck gestorben; aber dann nahm sie einen Stock, prügelte Juvadi tüchtig durch und jagte ihn aus dem Hause.

437.

JUvadi sagte zur Mutter: »Ich gehe auf den Markt.« Die Mutter antwortete: »Kaufe einen Farren.« Sie gab ihm das Geld und Juvadi ging auf den Markt. Er kaufte einen schönen Farren und ging mit ihm nach Hause. Er kam bei den Mönchen vorbei und traf sie auf der Straße; kaum hatten sie ihn gesehn, so sagten sie: »Juva’, wo bist du gewesen?« Und Juvadi antwortete: »Ich bin auf dem Markte gewesen und habe einen Farren gekauft.« Die Mönche antworteten einer nach dem andern: »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre.« Es kam ein anderer Mönch dazu: »Juva’, was ist das?« »Es ist ein Farre.« »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre und kein Bock; ich habe ihn mit zwanzig Dukaten bezahlt.« Der Guardian sagte: »Willst du ihn mir verkaufen? ich gebe dir zehn Dukaten.« »Wenn es ein Bock ist, so nehmt ihn.« So gab ihm der Guardian zehn Dukaten und er ging nach Hause. Die Mutter sagte: »Was hast du gemacht?« »Ich habe das gemacht: Ich habe einen schönen Farren gekauft, bin bei den Mönchen vorbeigekommen und sie haben mir gesagt, es sei ein Bock; sie haben mir ihn abgekauft und mir zehn Dukaten gegeben.« Die Mutter nahm einen Stock, prügelte Juvadi durch und sagte: »Der Teufel soll dich holen! du hast dich also von den Mönchen beschwatzen lassen?«

Nun verkleidete sich Juvadi als Frau, mit einem Rosenkranze in der Hand, und ging in die Kapuzinerkirche und blieb dort. Als es Nacht geworden war, kam der Sakristan und sagte: »Geh jetzt; ich muß die Kirche schließen.« Er antwortete: »Laß mich aus Barmherzigkeit da schlafen.« »Ich gehe es dem Guardian sagen.« Er ging und der Guardian sagte: »Ja, ja, laß sie da schlafen.« Als es Mitternacht geworden war, ging er sachte, sachte in die Zelle des Guardians, stellte sich vor das Bett, zog einen Knüttel, den er unter dem Kleide verborgen hatte, hervor und begann den Guardian zu verprügeln, indem er sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und dabei schlug er tüchtig zu, bis der Guardian halbtot dalag; dann ging er. Am Morgen kamen die Mönche und da fanden sie den Guardian totelend. Alsbald liefen sie um Ärzte, um zu sehn, was es sei.