Juvadi ging nach Hause, kleidete sich als Arzt und ging weg, um vor den Kapuzinern herumzuschlendern. Ein Laienbruder kam heraus und sagte zu ihm: »Wer ist Euere Herrlichkeit?« Juvadi antwortete: »Ich bin ein fremder Arzt; ist hier jemand krank?« Der Mönch ging augenblicklich hinein, es seinen Brüdern sagen, und die ließen ihn hereinkommen. Als er drinnen war und seinen Kranken betrachtet hatte, sagte er: »Der hat Schläge bekommen.«
Nun schickte er alle Mönche, die dort waren, hinaus; der eine ging Kaffee machen, der andere Heilmittel holen. Als Juvadi ganz allein war, zog er den Knüttel unter dem Oberkleide hervor und begann den Guardian zu prügeln und sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und er ließ nicht eher von dem Guardian ab, als bis der schier tot war. Dann entwich er. Als die Mönche zurückkehrten und den Guardian in diesem Zustande sahen, begannen sie zu jammern und fragten ihn: »Wer hat dich geschlagen?« Der Guardian antwortete: »Der, der hier war.« Die Mönche sagten: »Wir wollen ihn suchen gehn.«
Und so setzten sie den Guardian auf einen Sessel und machten sich an die Verfolgung Juvadis. Der sah sie von weitem; da sagte er zu einem Manne, der mit dem Karste arbeitete: »Guter Mann, schau wie viel Leute dich prügeln kommen.« Der erschrak, warf den Karst weg und entfloh; nun nahm Juvadi den Karst und begann zu ackern. Die Mönche holten den andern ein und prügelten ihn weidlich durch; und der arme Teufel schrie: »Warum schlagt ihr mich? ich habe euch doch nichts getan.« Juvadi lachte von weitem, warf den Karst weg und ging nach Hause und sagte: »Nun habe ich mich für meinen Farren bezahlt gemacht.«
438.
ES war Fastnacht. Juvadis Mutter schlachtete einen Hahn und kochte ihn mit Makkaroni; als Juvadi kam, aßen sie ihn. Nach dem Essen sagte Juvadi zur Mutter: »Mutter, wie heißt das, was wir gegessen haben?« Die Mutter antwortete: »Das war ein Morgensänger.«
Nun hörte Juvadi einen Mann, der auf der Straße sang; er ging hin, tötete ihn und brachte ihn der Mutter. Die Mutter begann zu schreien: »Du Tölpel, das war ein Mensch und kein Morgensänger.« Juvadi sagte: »Macht nichts, Mutter; ich stecke ihn in einen Sack und gehe ihn in eine Schlucht werfen.«
Auf dem Wege begegnete er einem Manne, der auch einen Sack trug, und zu dem sagte er: »Freund, was trägst du da in dem Sacke?« Der antwortete: »Ein Schwein.« Juvadi sagte: »Wollen wir tauschen?« Der Unglückselige sagte: »Ja«, und sie tauschten. Juvadi ging zu seiner Mutter nach Hause und sagte zu ihr: »Mutter, bring einen Kessel, damit wir das Schwein abbrühen. Schließ die Tür; ich muß einen Botengang machen.« Und er ging zu dem, dem er den Sack mit dem Toten gegeben hatte, und sagte zu ihm: »Was hast du getan? jetzt gehe ich zum Richter und zeige dich an.« Der andere sagte unter Tränen: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.« So nahm Juvadi den Toten und die fünfzig Dukaten. Dann ging er zu der Tür der Mönche, stellte den Toten auf die Füße und läutete an; der Sakristan öffnete die Tür von innen und der Tote fiel nieder. Der Sakristan sagte: »Steh auf! steh auf! was ist dir geschehn?« Juvadi kam hervor und sagte: »So also werden die Leute umgebracht?« Der Sakristan sagte: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.« Und Juvadi: »Wenn du willst, daß ich nichts sage, mußt du mir fünfzig Dukaten, eine Mönchskutte und den Toten geben.« Juvadi nahm den Toten, zog ihm die Kutte an, steckte ihm eine Pfeife in den Mund, setzte ihn auf den Abtritt der Mönche und kauerte sich nieder. Es kam der Guardian, um ein Bedürfnis zu verrichten; da fand er den, der dort saß, und er sagte: »Steh auf; ich muß ein Bedürfnis verrichten.« Dann packte er ihn und stieß ihn, und der fiel nieder. Der arme Guardian sagte: »Auf! auf! was habe ich dir denn getan?« Juvadi kam hervor und sagte: »So also werden die Leute umgebracht? jetzt gehe ich zum Richter und sag ihms.« Erschrocken sagte der Guardian: »Sei barmherzig und sag nichts; ich gebe dir hundert Dukaten, und wir begraben ihn.« Juvadi nahm die hundert Dukaten und sie legten den Toten ins Grab. Dann ging Juvadi voll Fröhlichkeit mit den zweihundert Dukaten nach Hause und sagte zur Mutter: »Mutter, wie viel hat mir der Morgensänger eingebracht! Jetzt bin ich reich geworden!«
439.
EInes Tages ging Juvadi um Reisig, und da fand er einen Eichenast mit Eicheln dran; den nahm er auf die Arme und trug ihn mit viel Acht samkeit weg. Als er nahe beim Orte war, setzte er sich darauf wie auf ein Pferd und zog ihn so weiter. An einem Fenster des Königs stand die kleine Prinzessin, und die begann aus vollem Halse zu lachen. Juvadi sah sie an und sagte: »Du sollst schwanger sein von mir.« Alsbald wurde sie schwanger, und nach neun Monaten gebar sie ein Mädchen. Der König war darüber so aufgebracht, daß er den Rat zusammenrief und sagte: »Ratet mir, was ich mit der machen soll, von der diese Schande kommt; ich kann es gar nicht glauben, was sie sagen.« Der Rat antwortete: »Lassen wir alle Männer des Reiches kommen, und da werden wir sehn, wen es Babba ruft.« Da befahl der König, daß sich alle Männer in seinem Hause einfänden. So kamen seine Barone, Fürsten, Ritter, Bürger und Bauern; aber das Kind rief niemand Babba. Nur Juvadi, der nicht kommen wollte, war übrig geblieben; aber der König zwang ihn, zu kommen. Kaum hatte ihn das Kind gesehn, als es sich auch schon in seine Arme warf und ihn Babba nannte. Nun rief der König den Rat von neuem zusammen und sagte: »Was für eine Strafe soll die erhalten, von der diese Schande kommt?« Sie antworteten: »Schließen wir sie in ein Faß und rollen wir es einen Abhang hinunter.« So ließen sie ein Faß machen und die Königin legte einen Sack mit Feigen und Rosinen hinein; und sie schlossen die Prinzessin, ihre Tochter und Juvadi hinein und gingen es von einem Abhange hinunterstürzen. Als es rollte, sagte Juvadi: »Laß mich heraus, laß mich heraus; ich gebe dir Feigen und Rosinen.« Und er warf Händevoll Feigen und Rosinen aus dem Fasse. Das blieb in einer Ebene stehn; Juvadi zerbrach es und sie gingen heraus.
In der Nähe war eine Hexe, die lachte so heftig, daß ihr eine Halsgeschwulst, die sie hatte, verging. Darüber ganz glücklich, sagte sie zu Juvadi: »Was willst du? ich kann alles und tue dir gutes.« Juvadi antwortete: »Schaff mir ein Haus; denn wir haben keine Wohnung.« Die Hexe nahm eine Gerte, machte einen Kreis rundum und sagte: »Hier soll ein Palast werden mit aller Bequemlichkeit der Welt.« So wurde dort ein schöner Palast und Juvadi ging ganz vergnügt mit der Prinzessin und der Tochter hinein. Und die Prinzessin sagte zu Juvadi: »Du mußt noch behext werden, damit dir deine Dummheit ausgetrieben wird.«