MAn erzählt, daß Juvadi eines schönen Tages einen Gevatter besuchen gegangen ist. Der Gevatter, dessen Weib gerade Brot bereitete, sagte zu ihm: »Willkommen, Juva’; bleib bei uns und hilf uns das Brot bereiten.« Während die Frau in der Küche war, um das Essen zu kochen, ging Juvadi nachsehn, ob der Teig aufgegangen sei; er kam in eine Kammer, deren Wände überall Ritzen hatten, durch die der Wind einundausging, und sagte: »Da machen sie Brot und das Haus ist voller Löcher; aber ich will das in Ordnung bringen.« Er nahm den Teig und besserte alle Wände aus, indem er alle Löcher verschmierte. Als die Gevatterin diesen Schaden sah, begann sie zu schreien: »Um Gotteswillen, um Gotteswillen! was tust du? wenn mein Mann kommt, bringt er mich um.« Juvadi sagte ganz entrüstet: »Statt mir zu danken, weil das Haus löchrig war, gibst du mir böse Worte.« Und er entwich.
445.
EInmal ging Juvadi eine Gevatterin besuchen. Als sie ihn sah, sagte sie vergnügt: »Willkommen, Gevatter; es wird mir eine Freude sein, wenn du heute Morgen bei mir bleibst. Gib mir acht auf das Kindchen, das ich niedergelegt habe, und ich verrichte indessen die häusliche Arbeit.« Juvadi nahm das Kind; da er sah, daß sein Kopf ganz weich war, nahm er eine Nadel und stach hinein, so daß das Gehirn heraustrat. Und er sagte: »Madonna mia! da hat das Kind ein Geschwür und niemand denkt daran.« Als die Mutter das Kind tot sah, war sie ganz weg vor Schmerz und schrie: »Mein ... Kind ... mein ... Kind, ich habe dich einem Tölpel anvertraut.« Juvadi sagte: »Für mein gutes Werk erhalte ich einen schlechten Lohn.« Und er ging.
446.
EInes Tages ging Juvadi hinaus, stieg auf einen Felsen, begann zu pissen und sagte zu den einzelnen Bächlein: »Du gehst dorthin, du dahin, du gehst rechts und du gehst links.« Eine Bande von Räubern, die unter dem Felsen waren und viel Silbergeld teilten, hörten ihn so reden; sie glaubten, die Häscher seien da, und entflohen. Juvadi stieg hinab, nahm alles Silber und kehrte, mit Geld beladen, heim.
447.
EInes Tages ging Juvadi mit seinem Esel um Holz. Er saß auf einer Eiche und schnitt gerade an einem Aste, als ein Mann vorbeikam und zu ihm sagte: »Juva’, paß auf, du fällst herunter, wenn der Ast bricht.« Juvadi antwortete: »Kümmere dich nicht darum; ich sterbe noch nicht.« Aber als er das sagte, fiel er auch schon herunter, und es fehlte wenig, so wäre er tot gewesen. Nun sagte er zu dem Manne: »Guter Mann, wann werde ich denn sterben?« »Wann dein Esel drei Fürze tut.« Juvadi glaubte es und vergaß es keineswegs. Er mußte eine Anhöhe ersteigen, und der Esel, der zu schwer beladen war, ließ einen Furz. »Oh, jetzt geht es böse,« sagte Juvadi, »nun muß ich bald sterben.« Er ging weiter und hörte wieder, wie der Esel einen Furz ließ, und er zitterte noch mehr vor Angst. Als er dann den letzten hörte, wurde er ohnmächtig und fiel wie ein Toter zu Boden; und er blieb auf dem Wege liegen. Der Esel, der den Weg, wer weiß, wie oft gemacht hatte, ging mit dem Holze, aber ohne Juvadi, nach Hause. Als die Mutter den Esel ohne den Sohn kommen sah, erschrak sie und ging weg, um zu sehn, was ihm geschehn sei; sie fand Juvadi mit dem Gesichte nach oben auf dem Wege liegen. Und sie holte den Geistlichen, einen Bruder mit dem Kreuze, den Sakristan mit dem Weihwasser und vier Männer mit der Bahre. Sie luden ihn auf; aber sie klagten, weil er sehr schwer war, und setzten ihn alle zehn Schritte nieder. Als sie an eine Stelle des Weges gekommen waren, hob Juvadi den Kopf und schrie: »Dorthin geht.« Die, die ihn trugen, warfen ihn vor Angst, weil sie ihn tot glaubten, zu Boden, und der arme Juvadi zerschlug sich den Kopf und starb nun wirklich.
VII.
Kroatische Überlieferungen
448.
EInmal war Nasreddin schwer krank und lag still und hilflos da. Seine Frau, die bei ihm saß, weinte, und das machte ihn unruhig. Da kam ihm ein Einfall, und er sagte zu ihr mit schwacher Stimme: »O weh, o weh! Hör auf zu weinen; zieh dich schön an, nimm deine besten Sachen und deinen ganzen Schmuck und mach dich so hübsch, wie du kannst.«