Der Garkoch versteckte sich in einen Winkel, um nicht gefangen zu werden; aber zu denen, die ihn schon gejagt hatten, gesellten sich nun noch die Verwandten der Frau. Das Haus hatte zum Glücke auch eine Hintertür; durch die lief der Garkoch hinaus, die ganze Menge hinter ihm, und er rannte in eine Moschee, um sich zu retten, und stieg auf das Minaret. Da sie ihm aber auch dorthin nachkamen, warf er einen Blick hinunter; und weil er bedachte, daß sie, wenn er dort bliebe, heraufkommen und ihn niedermachen würden, stürzte er sich vom Minaret hinunter auf das Pflaster, just auf einen jüdischen Geldwechsler, der dort gebückt auf seiner Bank saß, und der war auf der Stelle tot.
Nun erreichten ihn seine Verfolger, und sie schleppten ihn vor den Kadi. Der hatte sich eben zu Tische gesetzt, um die Gans zu verzehren.
Sie fingen alle miteinander zu schreien an, was jeder von dem Garkoch erlitten hatte. »Still, der Reihe nach,« sagte streng der Hodscha, der augenblicklich den Tisch verließ und in sein Amtszimmer ging, wo das große heilige Buch war, nach dem er Recht sprach; und er sagte zu dem Mulazim: »Was willst du von dem Manne da?«
»Effendi, am Morgen habe ich ihm eine Gans gebracht, damit er sie brate, und jetzt sagte er mir, sie sei weggeflogen. Ich verlange, daß er mir meine Gans wiedergibt.«
Der Hodscha öffnete sofort das Buch, wandte einige Blätter um und las vor, daß alle hundert Jahre einmal ein solches Wunder geschehe, und es seien gerade hundert Jahre, seitdem das letzte geschehn sei; und glückselig sei der zu preisen, der dabei die Gans verloren habe, weil die ins Paradies geflogen sei und ihn dort erwarte.
Freudestrahlend entfernte sich der Mulazim. Als zweiter kam der Jude mit dem ausgeschlagenen Auge.
»Effendi, der Garkoch hat mir mit der Schaufel das Auge ausgeschlagen.«
Der Hodscha blätterte wieder in dem Buche und las, es sei natürlich recht und billig, daß sich nun der Garkoch hinstelle, damit ihm der Jude ein Auge ausschlage; weil aber nach dem Buche ein Auge eines Osmanen so viel wert sei, wie zwei eines Juden, müsse sich der Jude zuerst hinstellen, damit ihm der Garkoch auch noch das andere ausschlage, und dann dürfe er dem Garkoch eines ausschlagen. Der Hodscha hatte seinen Spruch noch nicht beendigt, so war der Jude schon unsichtbar geworden.
Als dritter kam der Gatte der Frau, die die Fehlgeburt getan hatte. Über diesen Fall schrieb das Buch, daß der Garkoch mit der Frau ein andres Kind machen solle. Es ist begreiflich, daß es auch der dritte Kläger vorzog, sich davonzumachen.
Zum Schlusse kam der Bruder des erschlagenen Geldwechslers.