Die Gleise der Maschinenfabrik tauchten auf, ganz in Finsternis gelagert. Valentin brüllte, warf sich: „Keiner hilft, keiner hilft.“ Die Puppe hielt ihn fest wie Kautschuk. Und während er kratzte, mit Armen und Beinen in den weichen Massen wühlte und sich wand auf seinem Sitz, kam der schwarze Humboldthain heran, menschenleer, mit Eisengeländern, starren Bäumen.
„Hi, hi, hi!“ würgte er. Dröhnend lachte die Puppe: „Nimmst mich mit zu Lorenz?“
Der leere Vorplatz. Der tintige Teich dehnte sich. Sie lockerte seine Beine; schnellte zusammen. Mit einem Ruck sauste er kopfüber in das Wasser.
Sie stürzte sich glucksend nach. Er schluckte hochsteigend. „Ich sterbe schon, laß mich los.“ Wie ein Schlagbaum lang war ihr Arm, mit dem sie sich unter das Wasser drückte: „Es fängt erst an! Verlogener Hund!“ Das Wasser spritzte nach allen Seiten; sprudelte, gurgelte minutenlang. „Verfaulen sollte ich dich lassen.“
Schräg über den Teich prasselte der Hagel in der Finsternis.
Der Ritter Blaubart
Hinter der dünnen Birkenreihe, welche die Stadt von Norden her umsäumte, zog eine wellige Ebene dem Meer zu, wenig mit niedrigen Kiefern und Strauchwerk besetzt. Kein Weg führte aus dem Durchbruch der Stadt gerade hindurch zum Strand, der kaum zwei Stunden entfernt war; eine Kleinbahn umfuhr die Einöde in weitem Bogen. In vielen Senkungen der Ebene stand der Sumpf, schwarz und steif wie Leim; Ratten und Kröten hausten hier; öfter stieß ein Häher durch die Luft, schlug ein Weichtier an.
Wo sich die Hügelreihe am stärksten erhob, ragten quadratische und unförmige Steinblöcke scharf auf, Reste verwitterter Klippen. Die See hatte sich früher über das Land gestreckt; jetzt lag die Ebene verstört da; Meer und Erde wandten sich von ihr ab.
Diese Fläche war vor Jahren auf eine sonderbare Weise in den Besitz eines Barons Paolo di Selvi gekommen. Er war von einer Weltreise durch den Sund in die See gesteuert, um in der Stadt den Vater seines ersten Bootsmanns zu besuchen, der unter dem Äquator dem Schwarzwasserfieber erlegen war. Er stieg ans Land, sprühend von Laune, träumerisch, eroberungssicher. Breitschultrig ging er mit den leicht gebogenen Beinen des Reiters über die Anlegebretter. Der Wind pfiff scharf an dem Morgen, warf ihm die schiefsitzende Mütze mit einem glatten Schlag ins Wasser, so daß er barhäuptig und lachend unter seinen Leuten stand, die das böse Omen entsetzte. Seine Augen waren schräg gestellt, standen dicht an der Nase, die klein und stumpf war und mit ihrer Wurzel tief einsetzte. Die klaren, hellgrauen Augen stimmten schlecht zu dem Mund von mädchenhafter Weiche, zu der Sanftheit seiner Stirne. Er ritt auf einem schwarzen Hengst hinter einem Maultiergespann den weiten Umweg nach der Stadt. Zwei Truhen schleppte man zu dem alten Mann, den er suchte, eine mit Andenken und allem Nachlaß des Toten, die andere mit japanischer Seide und sibirischem Pelzwerk. Kaum zwei Stunden blieb er in der Stadt. Dann trabte er pfeifend und lachend, seine Mütze schwenkend, allein zurück, unkundig der Gegend, den kurzen Weg durch die Ebene.