Die Geisterpulse pochten durch die kleine Stadt.
Den Schlüssel zu den goldenen Toren preßte man in den Händen. Körper saßen unbeweglich wie Leichname herum. Ein Hauch, sie fielen um. Wer das Tao in sich hat, will nicht sehen, nicht schmecken, nicht hören. Dreht seinen Körper heimtückisch zur Seite. Fliegt.
Und in der Tat. In einem finstern, heißen Gebetsrausch lag die Mongolenstadt. Besessene starre Rümpfe kauerten auf den Gassen, taub, blind.
Am Tage, nachdem Wang-lun die Mongolenstadt besucht hatte, arbeiteten in einem großen Dorfe südlich der Stadt die beiden Apothekergehilfen auf dem langen Hof ihres Hauses. Der ältere, unfern dem Tor, schob Holzkohlen in einen kleinen eisernen Ofen. Eine breite, tiefgebauchte Porzellanschale dampfte oben. Der feine weiße Kohlendunst entwich seitlich durch einen Schnabel; der Medizinofen, rauchend, erschien wie eine vergrößerte Teekanne. Der Gehilfe drehte langsam auf einem schwächlichen niedrigen Körper einen schön gewölbten Schädel. Er hatte dicke Hängebacken, zwischen denen die Nase versank. Die Lippen suchten darunter mit Wülsten hervorzuquellen. Dieses war ein verschlossener Mann, von dem der Besitzer viel hielt. Er gehörte zu den Anhängern Wang-luns, die sich nicht zu dem Wanderleben verstanden. Sein Gesicht war stumpf, aber wenn er phlegmatisch von seiner Arbeit aufsah, verriet er sich; man sah, daß in ihm eine Bewegung mit großer Beharrlichkeit erfolgte und nicht ruhte.
Abgewandt von der Richtung des Dampfes ritt an der Hauswand der jüngere Gehilfe auf einem Schemel, trat das Rad einer Tretmühle; das Rad zerquetschte in der flachen Holzschüssel trockene Kräuter zu Pulver.
Der ältere Apotheker schlenderte in das Haus, um sich ein feines Haarsieb zu holen, er wollte aus Hasenleber einen Trank gegen Vollblütigkeit und Wutzustände herstellen, als das Tor schleuderte, und ein langer Bettler vor dem Medizinofen stehen blieb.
Der Gehilfe rief, er möchte draußen warten; der Mann trat dicht auf ihn zu, strich den Strohhut zurück, griff dem Gehilfen schon besänftigend an die Schulter, als der, Wang erkennend, sich vor ihm verneigen wollte. Sie flüsterten zwei Worte; mit lauten Segenswünschen dankte der zudringliche Bettler für den Käsch, den der Gehilfe aus dem Gürtel zog.
Nach einer Stunde wanderte der Gehilfe mit Wang-lun die westlichen wild bewachsenen Hügel und Täler bei dem Dorfe ab; Wang ließ ihn allein. Der Apotheker suchte.
Die Landschaft war sumpfig; weite Torfmoore grenzten an. Auf den niedrigen Hügeln vergilbten Kaoliangstauden und gespreizte Farne; der Weg über die höheren Hügel war finster, so dicht drängten sich die immergrünen Eichen. Engmaschiges Strauchwerk hinderte am Gehen. Hier war das Revier der kleinen bunten Knaben, so genannt nach der üppigen farbenreichen Pilzvegetation.