Zwischen den massiven Stämmen lugte am Boden der Wulstling mit grünlichweißem Hute; schöner weißer Kragen fiel schlaff am Hals herunter; um nicht den quellend feuchten Boden zu berühren, trug der Fuß eine zarte Kappe, einen Schuh dünn wie Haut. Der kleine Apotheker, die breite blaue Sammeltasche vor der Brust, schurrte einen Abhang herunter, wo es rot blitzte und die purpurne Würde des Fliegenpilzes prunkte. Mit kleinen Warzen waren viele Hüte besetzt, weißen Tüpfelchen, aus denen Zähes, Glasiges heraustrat. Viele von ihnen brach der Sucher ab, warf sie in seine Trommel. Nicht weit im Kraut blühten die Reitzker; mit breiten ziegelroten Mulden bedeckten sie ihre Köpfe; von ihren Hüten wehte der braunweiße Schleier, der aussah, als wäre er vom Winde zerfasert. Als er die Stämmchen umbrach, quoll schleimiger Milchsaft hervor, der an seinen Fingern klebte. Er stopfte seine eiförmige Tasche voll, bis der Preßsaft vorn durchsickerte.
Kam am Nachmittag in die Apotheke, wo er sich in seine Kammer zurückzog. Dann schleppte er mit dem Kameraden den kleinen Ofen über die Treppe in die Kammer herauf und begann zu arbeiten bei geschlossener Tür, wenig geöffnetem Fenster.
Er warf in das siedende Wasser der Schale eine Handvoll Pilze, die er in kurze Stücke zerschnitten hatte; nach einer kleinen Zeit, die er genau an einer Sanduhr ablas, faßte er die Schale mit Holzgriffen, goß die zähe bräunliche Brühe mit den Pilzstückchen durch ein enges Sieb in einen Holzeimer. Die zurückgehaltenen Stücke warf er in einen zweiten Eimer. Wieder brachte er Wasser in der Schale zum Sieden, zog Pilzsaft aus, siebte. Als er alle mitgebrachten Pilze verarbeitet hatte, begann er die zurückbehaltenen Stücke im Eimer mit einem Holzmörser zu zerquetschen und zermantschen; spülte sie in die Schale, verkochte sie lange und filtrierte wieder. Den Rückstand des Siebes stopfte er noch in ein dünnes Beutelchen, das er in den großen Holzeimer mit dem Absud auspreßte. Dann klatschte er den fasrigen Matsch im Beutelchen in einen Abfalleimer.
Nun begann die langwierige Arbeit an dem Absud. Auf Ofen wie Herd in der Ecke der Kammer, wo ein Kessel von einer Eisenstange herabhing, wurde die bräunliche Flüssigkeit langsam eingedampft. Er schürte, den Atem oft einhaltend, ein kleines Feuer im Ofen und unter der Herdplatte; dann trappte er, nachdem er das Fenster weit aufgestoßen hatte, herunter in die Apotheke an seine Arbeit, zum Mischen der offizinellen Pillen. Von Zeit zu Zeit stieg er breitbeinig zurück, goß neue Flüssigkeit aus dem Eimer zu in Schale und Kessel. Hantierte in der Apotheke unten und in seiner Kammer die Nacht durch bis zum Morgen. Als der Absud stark wie Sirup eingeengt war, entleerte er den Inhalt des Kessels in die Schale. Erst frühmorgens, als er zuletzt die dampferfüllte überhitzte Kammer betrat, war der Inhalt der Schale gediehen; der Saft war klebrig, tiefbraun geworden, zog Fäden beim Eintauchen der Rührkelle.
Lange musterte und roch der Gehilfe daran herum; dann holte er aus der Apotheke eine Tüte schwarzer gepulverter Holzkohlen und eine weißliche Erde herauf, schüttete sie rührend hinein, schichtete heißes Wasser über und füllte die schwarze Flüssigkeit in einen hohen Glaskrug. Nach kaum einer Stunde hatte sich in dem Krug eine weißliche und eine schwarze Schicht an den Boden gesetzt, darüber stand leicht braunes durchsichtiges Wasser, das der Gehilfe mit Vorsicht über eine schmale Holzrinne in zwei Kürbisflaschen, hohe dickbäuchige Gefäße, überfüllte. Ihren Inhalt verteilte er nach einigem Nachdenken in sechs kleine Tonkrüge, die er fest verschloß, sich an Stricken um die Schulter hängte. Noch in der Morgendämmerung knarrte das Hoftor. Der Gehilfe verließ mit den Krügen Haus und Dorf.
Während der Apotheker im Revier der kleinen bunten Knaben still botanisierte, ratterte es ununterbrochen durch das nördliche und westliche Tor der unteren Stadt von Yang-chou. Schubkarren zogen in langer Folge ein, Handelsleute mit Weib und Kind zu Fuß, breite gedeckte Reisewagen, ein Segelkarren, der eine weite Reise hinter sich hatte. Tuten, Gongschläge: das Tor wurde eine kurze Zeit gesperrt; langsam trug man die grüne Sänfte eines Mandarins mit großem Gefolge heraus; der hohe Beamte ließ sich in der schönen Herbstluft spazieren fahren. Die Torwächter schlugen mit kurzen dicken Knütteln auf große halbnackte Jungen, die hinter dem Gefolge betteln liefen.
Noch vor der Mittagszeit trabte eine Schar Händler herein, katzebuckelnd vor dem stämmigen Torwächter, der eine sichelartig gebogene Hellebarde trug. In der Stadt trennten sie sich nach ein paar Straßen.
Der eine trug ein Galgengestell, an dem Zopfschnüre baumelten; um die Brust hielt er eine blaue Leinewand gewunden, auf der in schwarzen Charakteren die Vorzüge seiner bewährten Zopfschnüre gerühmt wurden.
Ein paar verkauften unter dem Lärmen von Holzklappern Betelnußkuchen, die sie in Kästchen vor dem Bauche trugen und tafelweise abschlugen.
Andere schleppten Narzissen in Eimern mit sich.