In einer vielbesuchten Bouillonschenke neben einem großen Verleihinstitut für Sänften, Hochzeitsgegenstände trafen sie nacheinander ein und saßen zusammen. Ein großer, etwas gebückter Mann, dessen Schädel schlecht rasiert war, setzte sich zu ihnen; er stellte seinen glockenrunden Holzkasten, der mit schwarzen Strähnen bemalt war, vor sich unter den Tisch; er handelte mit Menschenhaar. Dieses war Wang-lun.

Sie ließen sich aus der riesigen Porzellankanne das Ca-tang-pang, eine heiße Brühe, in die flachen Schalen gießen. Als man ihnen warme Mehlkuchen servierte, stand Wang und der Schnurhändler auf. Sie mischten sich unter die Gäste, die sich an dem Eingang zur Küche drängten, unterhielten sich höflich; sie orientierten sich über die Absatzmöglichkeit ihrer Artikel in der Stadt, fragten nach den andern Betrieben, Gilden. Wang erinnerte sich eines alten Freundes, der in dieser Stadt einmal als Wasserträger schönes Geld verdient hätte und sich später in Pe-king als Bootsverleiher niederließ; er fragte gelegentlich nach den Quartieren der Wasserträger und wo man einen von ihnen sprechen könne. Nachdem Wang und der Schnurverkäufer festgestellt hatten, daß die Wasserträger sich in einer Bouillonschenke zwei Häuser entfernt träfen, verabschiedeten sie sich von ihrem Tisch und gingen herüber.

In dieser Schenke ging es still zu, denn um die Mittagszeit waren die Wasserträger am stärksten beschäftigt. Wang und sein Kamerad setzten sich in die Mitte des Lokals, schmausten Fleischpastetchen und tranken dünnen Tee. Der höfliche Wirt stellte sich neben sie, erkundigte sich nach ihrem Befinden, dankte für die Ehre des Besuches.

Währenddessen stampfte schon einer der Stammgäste über die Holzdielen, drei andere hinter ihm her. Sie klatschten beim Eintritt in ihre Hände, schlugen sie über die Schultern zusammen; vom Halten der Pferdeleine wurden ihnen die Finger klamm. Der Wirt wollte die Gäste placieren, aber Wang stand als Fremder auf, stellte sich und seinen Kameraden vor, lud die Wasserträger ein, an seinem Tisch Platz zu nehmen; erzählte von seinem Freund, den keiner von ihnen kannte; nur einer erinnerte sich dunkel, von einem Arbeitsgenossen gehört zu haben, der später in Pe-king oder bei Pe-king Bootsverleiher wurde; aber das müsse schon lange her sein. Im Laufe der Unterhaltung erkundigten sich die beiden Fremden, die ersichtlich viel herumgekommen waren, nach der Regelung des Wasserverkaufs unter ihnen, ob die Verdienste nicht sehr variierten nach der Verkaufsgegend. Sie erfuhren, daß dies natürlich so sei; in einzelnen Stadtteilen respektive Straßenbezirken hätte man seine Plage durchzukommen; die zehn zum Beispiel, die jetzt die obere Stadt versorgten, wo es doch keine Brunnen gäbe, könnten sich vor Arbeit nicht halten auf den Beinen, ihre Pferde seien bald schlapp, und der Verdienst? Man wechsele alle zwei Tage ab unter den Wasserträgern, weil die Leute oben so unglaublich arm seien; verdursten könne man sie nicht lassen, obwohl eigentlich der Magistrat schon gemunkelt hätte, es könne den Wasserträgern später schlecht ergehen für ihre Wohltätigkeit.

Zu seinem Vergnügen erfuhr Wang, daß zwei seiner Tischgenossen zu den Arbeitskolonnen gehörten, die heute und morgen den Wasserdienst in der Mongolenstadt versahen. Er hängte sich mit dem Schnurhändler an sie, als sie neben ihren Gespannen zu dem ummauerten Brunnen zogen, aus dem sie das Wasser in riesigen Eimern schöpften. Die acht übrigen Wagen quietschten schon gefüllt die Straße herunter. Wang erfuhr Namen und Wohnungen der übrigen Wasserträger, erklärte, während er seinen neuen Bekannten beim Schöpfen zusah, daß er ihren Beruf doch schön und ruhig fände gegen seinen jämmerlichen, bei dem er sich herumzuschlagen habe mit jedem Barbier, mit protzigen Blumendamen, die keinen Käsch später, wenn sie zahlen sollten, hätten und alles vernaschten. Ihm käme sein Freund, der Bootsverleiher in Pe-king, nicht aus dem Sinn. Er wolle einmal mit seinem Freund sehen, ob sie sich für den Beruf eigneten; er wolle es einmal versuchen, einen Tag über; vielleicht sei die Sache nicht so einfach, wie er sie sich denke.

Die beiden Wasserträger lachten laut über den Vorschlag; und wer ihnen denn den Verdienst bezahlen sollte, der ihnen für diesen Unterrichtstag entginge?

Das sei, sagte Wang, natürlich seine Sache; er wolle ihnen doch für ihre Unterweisung und ihr Entgegenkommen keinen Schaden zufügen; selbstverständlich, wenn sie darauf eingingen, was ja ein außerordentliches Entgegenkommen gegen einen armen Mann sei, würde er ihnen die Durchschnittstagessumme bezahlen, wobei sie freilich bedenken müßten, daß er selbst arm sei und nicht viel überflüssig habe. Aber schließlich sei doch ihr Verdienst sicherer als sein trauriger.

Nach langem Hin- und Herreden einigte sich Wang mit ihnen; man hielt es für das Einfachste, daß er sich mit den andern acht Wasserträgern in Verbindung setzte, die den fast unbezahlten Dienst in der Mongolenstadt heute und morgen täten. Sie würden Wang und seine Landsleute über die Arbeit, Bedienung, Fütterung der Tiere, Ställe unterrichten; er hätte vorher eine Summe zu erlegen, die dem gemeinsamen Durchschnittsverdienst in der unteren Stadt, wohlgemerkt in der unteren Stadt, entspräche und müsse den morgigen Wasserdienst in der Mongolenstadt ganz auf sich nehmen. Er mache sich für jede Beschädigung der Wagen, des Zaumzeugs, der Tiere haftbar. Das alles natürlich nur, wenn die andern acht damit einverstanden wären.

Wang wand sich über die Höhe des Preises hin und her, konnte sich mit ihnen über den eventuellen Schadenersatz nicht verständigen, weil sie ihm vielleicht brüchige Wagen stellen würden, die er dann bezahlen müßte.

Die schon abfahrenden Leute blieben unerbittlich. Da sagten die beiden zu. Als die Wasserkarren um die Ecke fuhren, hörte Wang die Träger laut losplatzen über diese Bauern und Dummköpfe.