Die Verständigung mit den andern acht verlief glatt; nur glaubte jeder von ihnen sich verpflichtet, noch besondere Schwierigkeiten zu machen, damit die Bauern den Betrug nicht merkten. Ein einziger älterer Mann lehnte den ganzen Handel ab. Er erklärte, seine Arbeit ruhig weitermachen zu wollen, das brauche er zum Leben; und mit den armen Leuten oben habe er sich angefreundet, so daß er sich freue, wenn er zu ihnen käme ohne bei der Polizei Verdacht zu erregen. Nichtsdestoweniger bezahlte Wang die ganze verabredete Summe an die sieben Wasserträger, die mit ihm abends in der Bouillonschenke zusammenkamen. Er erklärte in einer gewissen enthusiastischen Weise, daß er schon jetzt eine gewisse Freude am Wassertragen habe; es ließe sich da noch auf verschiedene Weise Geld machen, wenn zum Beispiel die Gilde selbständig Brunnenbauten übernähme oder Privatbrunnen pachte. Er gefiel den trägen Burschen nicht schlecht.
Er verließ noch vor Torschluß allein die Stadt; seinen runden Kasten mit Menschenhaaren ließ er in der Schenke. Es war eine Vollmondnacht. Breit dehnte sich die Ebene vor den Mauern; kleine Bodenerhebungen warfen auf die völlig unbewachsene weiße Fläche tiefschwarze Schlagschatten. Hinten zog sich eine Kiefernpflanzung, die das Mondlicht nur an den Wipfeln berührte.
Die Bauern, die die Mongolenstadt bewachten, bemerkten dort drüben um die Zeit, als die Nachtwächter die zweite Wache trommelten, ein eigenartiges Blitzen; es bewegte sich am Rand des Kiefernwaldes entlang. Dann trat ein Mann in den hellen Mondschein; drei der Wächter erkannten in dem Mann mit dem großen Hut und dem herunterhängenden blitzenden Schwerte Wang-lun.
Sie riefen einander an, zeigten auf ihn, der sehr deutlich in dem blendenden Licht zu erkennen war, waren wach und überglücklich. Er war da; er hatte sie erreicht. Auf ihn konnte man sich verlassen. Die Weiße Wasserlilie war da. Man lief in einen Wachturm. Es war Wang-lun, der allein dort saß gegenüber der Mongolenstadt; nach einer langen Zeit glitzerte wieder sein Schwert; er tauchte in das schwarze Dunkel des Waldes zurück, rasch, wie verschluckt.
Als Wang, der keinen Schlaf fand, ein paarmal durch den totenstillen Wald geirrt war und, von Unruhe getrieben, sich der Ebene zuwandte, sah er durch die schlanken Stämme am Randweg einen Reiter traben, dem zwei andere folgten. Er lief ihnen in dem Dunkel voraus, erkannte an der Kleidung einen hohen Offizier der Provinzialarmee und zwei Diener. Sie ritten langsam an der Mongolenstadt vorbei. Als sie dem Weg folgend eine Strecke zwischen die Stämme einbiegen mußten, trat Wang an den hageren großen Offizier heran, der einen langen Kinn- und Schnurrbart trug und fragte, ob er ihm Auskunft geben könne über den Weg nach einem Dorfe.
Der Offizier wies mit der Hand südostwärts.
Wang ging ruhig neben dem Braunen einher; der Offizier hielt an; ob der Fremde noch etwas verlange.
Nach der Erde zu sprechend wünschte Wang, der Offizier möchte einen Augenblick seine beiden Diener ein paar Schritt abreiten lassen, damit er etwas fragen könne.
Völlig gelassen wies der Reiter die beiden zurück und bückte sich zu Wang herunter, um ihn in dem Dunkel gut zu erkennen.
Was also der Offizier hier zu suchen habe; es sei noch für einen vollen Tag und einige Stunden jede Feindseligkeit zwischen der Mongolenstadt und den Truppen eingestellt, wie er als Träger des Saphirknopfes wissen könnte.