„Ich vertraute auf die kostbaren Regeln. Und vertraue noch. Sieh mich nicht an. Ich wäre hier nicht in der Nacht hergeritten, wenn zwischen Ma-noh und mir nichts mehr wäre. Ma-noh ist der Mörder der Gebrochenen Melone, das weiß er. Ich war in den Tagen um ihn, als er es wurde. Er hätte länger und vorbereitet mit allen Brüdern und Schwestern leben können, wenn er sich nicht von den tollen Salzsiedern hätte verleiten lassen. Er war stolz, er war ehrgeizig, er trug im Geiste Pfeil, Bogen und Schwert; er war kein Wahrhaft Schwacher, kein Bruder der herrlichen Gebrochenen Melone. Darum habe ich ihn verlassen, der ich Reinigung und Frieden für meinen Geist brauchte. Aber das gehört nicht hierher.“
„Das wilde Tier auf deinem Brustschild blickt nicht friedlich.“
„Auch dein Schwert sieht nicht nach Frieden aus. Und doch stehen wir beide vor dieser selben Ebene und sehen durch den Mondschein nach der Mongolenstadt — nicht mit feindlichen Gefühlen. Ich habe mich nicht verändert. Aber die Gelbe Glocke singt jetzt einen andern Ton.“
„Es scheint so. Aber sie scheint auch nicht dasselbe Lied zu singen.“
„Die Gelbe Glocke hat den Brand des Klosters angesehen; die Schwestern ließen sich rösten in den Kapellen; den Brüdern schlug man Köpfe und Hände ab. Man kann sich nicht vorbereiten von heute auf morgen, von einem Jahr auf das nächste; ein langes Leben gehört dazu, glaube ich. Die ganze Saat ist umsonst hingemäht worden; die feinen, tiefen, starken Brüder und Schwestern haben ihre Geister verloren, ich glaube, ich werde den Gedanken nicht los, als wenn sie gelegentlich erschlagen wurden; eben erschlagen, wie wenn ich hier zufällig von dir erschlagen wäre, weil du schon dein Schwert entblößt trägst und ich erst den Zügel hinwerfen und meine Klinge freimachen muß. Durch solchen Tod haben sie nichts gewonnen. Aber ich trage jetzt einen Säbel.“
„Warum? Gegen wen? Dein Säbel ist eine Lächerlichkeit. Du hättest ruhig deinen Säbel in der Truhe bei deiner Sippe liegen lassen sollen, wo du ihn hingelegt hattest. Keiner von euch wird ihn anrühren, solange ich bin. Lächle nicht; ich sage dir das. Gegen wen trägst du deinen Säbel?“ Wang griff nach dem Säbel.
„Nicht gegen Ma-noh, wie du glaubst. Der wird doch bald sterben, gelegentlich. Und Liang-li. Wehe mir, wehe mir.“
„Gegen wen trägt der Mann mit dem Leoparden seinen Säbel?“
Die Gelbe Glocke rang mit sich. Er sah in den Wald zurück. „Gegen die Mandschus, denen ich jetzt diene, für die da drüben, die du bewachst, die in zwei drei Tagen in Schuttgräber gescharrt werden. Aber ich bin glücklich, daß du mir so Gutes von ihnen drüben erzählst. Es wäre nicht nötig gewesen das alles.“
„Das Schicksal ist immer nötig, Gelbe Glocke, mein Bruder.“