In dem Haufen, der sich auf kleinen Plätzen öfter ganz auflöste, wuchs die Verwirrung. Einzelne ergriff eine ausgelassene Fröhlichkeit. Ein ehemaliger Salzpfänner geriet in Wut. Er sagte, er ginge nicht mehr mit. Liu sei ein böser Dämon, er liefe doppelt im Zuge, ein Liu ginge drüben an den Häusern, ein anderer neben ihm. Dann treffen sie immer zusammen, prallen voneinander zurück, als wenn man ins Wasser sinkt. Die vor ihm marschierten, gondelten bei seinen Klagen rückwärts, nahmen ihn in ihre Mitte, grunzten heiser, fielen ihm unsicher um den Hals.
Ein junger Mensch drängte sich zwischen sie, brüllte: „Der Schuft, der. Er macht selbst solche Späße. Habt ihr nicht gesehen? Eben steht er hier und jetzt sitzt er auf dem Dach. Was hat er zu schimpfen auf Liu?“ Sie kniffen ein Auge zu, zwangen Liu und den Pfänner sich rasch nebeneinander zu stellen. Ein paar visierten breitbeinig aufgepflanzt nach ihnen durch den gekrümmten Finger, visierten nach dem Dach. Inzwischen zerstreuten sich die meisten, torkelten unter zufriedenem Gegröhl hinter dem Hauptzug her, der sich nach dem großen Markt bewegte.
Aber der Zug kam nicht so weit. Man hatte längst vergessen, was man wollte. Man buddelte zwischen den Straßensteinen. Man krähte, leckte sich schläfrig die Finger, kreiste die Arme. Die Köpfe baumelten, fielen in den Nacken.
Von anderen Teilen der Mauer waren die Männer schon vorher in die Stadt gedrungen. Die Lungen waren ihnen sonderbar gefüllt. Ihnen schauderte unter einer Hitze, die fingertief unter ihrer Haut flammte und erlosch. Das Blut sprühte in ihren Köpfen. Der Rumpf fiel ihnen weg. Sie setzten die Schritte so vorsichtig, da sie fürchteten, mit ihren Strohsandalen in Glas zu treten; immer fein traten sie mit den Zehenspitzen auf, immer fein mit den Zehenspitzen. Man ging sicherer, wenn man die Sandalen auszog. Und so balancierten manche im Gänsemarsch durch die Gassen, in den wagerechten Armen ihr Schuhwerk.
Weiter innerhalb der Stadt stiegen sie hier, da über einen Menschen, sie flüsterten einander Vorsicht zu mit signalisierenden Armen, versuchten mehrmals über denselben Körper wegzutreten. Der lag schnarchend da, die Beine an den Leib gezogen, die Stirne kraus.
Vor manchen Häusern standen die Menschen angewurzelt. Sie lehnten mit blauen Lippen an den Pfosten. Ihnen wurde der Atem mit einem heftigen Ruck aus der Brust gerissen. Sie stöhnten, pfiffen und schnaubten wie Blasebälge. Brüder legten sich unsicher mit dem Leib über Bänke; alle Bilder, Häuser, Menschen, das Dunkle des Himmels sauste in einer Spiraldrehung herum, die Erde vertiefte sich unter ihnen zu einem großen umgestülpten Spitzhut. Sie zogen zum Sprung unbehilflich die Kittel aus, keuchten, warteten was kommen würde. Ihre Rippen traten wie Schnallen hervor; sie prusteten im Flug.
Hunderte versteckten sich in den Häusern, auf den Korridoren, unter den Tischen, denen eine Presse die Därme, die Milz und den Magen zusammenschnürte, dann wieder losließ. Die Traubenpresse arbeitete an ihnen in einem Rhythmus, der immer schneller wurde. Sie würgten die gelbe Galle heraus, ihr Darm verspritzte sich und suchte zu entweichen. Ihre Gesichter verlängerten sich. Grüne Tiere liefen an ihren Gesichtern vorbei nach rechts, dann kehrten die Tiere um; die ganze Reihe lief nach links herüber.
Männer taumelten nach dem Tor, nach der Mauer. Aber sie stiegen zwischen den Sprossen hindurch beim Besteigen der Leiter, arbeiteten sich vergeblich heraus, stürzten die Leitern über sich um. Einem gelang es nach oben zu kriechen. Man hörte wie er ging, da kippte er nach außen ab in den Graben und muckste noch.
Die schwarze Nacht. Das Wasser strömte vielen die Flanken entlang. Ein kleines Rad drehte sich vor ihnen, wurde immer weiter, es war ein Nadelöhr, ein Maulwurfshügel, eine Höhle. Sie verdrehten die Augen, blieben in einer Radspeiche stecken.
In den dumpfen Zimmern die Brüder schraken bei den Schreien und Stürzen draußen zusammen. Sie hockten über sich gebückt. Sie stutzten plötzlich, blitzten heftig atmend um sich, als wenn sie etwas hörten, standen schwankend auf, richteten immer wieder den Oberkörper gerade, der ihnen wegsank: „Die Soldaten kommen! Es ist alles verloren! Wang ist mit zehntausend Mann erschlagen!“ Sie machten Front gegen die stillen Zimmerecken, sie schmetterten Stühle in die Winkel, flohen die Köpfe duckend ins Freie, griffen im Finstern der Straßen nacheinander. Hier und da erdrosselten sich zwei. Sie dumpften unter Verzweiflungskrächzen nebeneinander hin. Sie schwangen im Traum Beile, kneteten und erwürgten den dicken Kot, der zwischen ihren Fingern durchquoll.