Eine warme Luft wehte. Die Vorhänge seiner gelben Sänfte hatte er aufgezogen. Am Spätnachmittag spazierten vor der kaiserlichen Sänfte der Direktor des Ritenministeriums Song und Hu-chao, der Oberaufseher der kaiserlichen Eunuchen. Song, ein gebückter Mann, der in seinem faltigen kleinen Gesicht eine Hornbrille trug und aus seinen verkniffenen Augen vergeblich die landschaftliche Schönheit zu erblicken suchte, die ihm Hu warm schilderte. Hu, der wohlbeleibte Herr mit aufgeschwemmten Backen, griff im Eifer seiner Beschreibung öfter nach der Hand des würdigen Song und drückte sie, so daß wenigstens so der begierige Minister etwas von der allgemeinen Hingerissenheit empfand.

Sie plauderten über die Zartheit, mit der ein junger eben aufkommender Dichter die Schwermut der Silberpappeln behandelt habe und wie ihm ein paar interessante Verse geglückt seien über das alte Thema einer Mondscheinfahrt auf dem Weiher. Hu, obwohl nicht gebildet wie der Akademiker Song, erging sich in Lobsprüchen über die strenge Form dieses Gedichtes, über die wunderbaren, zum Teil neuen Charaktere, die der Dichter gemalt hätte. Sie atmeten den starken Dunggeruch der Äcker.

Da wehte ein feines Parfüm neben ihnen. Ein seidenes Rauschen. Zwischen ihnen ging ein mittelgroßer kräftiger Mann, der sie schon, als sie sich hinwerfen wollten, bei den Zöpfen packte und mit ihnen weiterspazierte, die Arme auf ihren Schultern. Die leise harte Stimme Khien-lungs klang zwischen dem gemessenen Fistelton Songs und dem enthusiastischen Dröhnen des dicken Hu.

Der Kaiser lächelte, als sie sich betreten anblickten, weil er eine Wendung ihres Gesprächs aufgriff: „Sprich nicht auf der Straße, sagt man zwischen den vier Seen; unter dem Pflaster sind Ohren. Exzellenz Hu meinten, in wie wundervollen Charakteren der junge Verfasser das Gedicht niedergeschrieben hätte. Ich hatte vor Monaten in Pe-king das Vergnügen, einen Missionär der Jesureligion zu sprechen. Die rothaarigen Völker sind barbarischer, als man bei uns weiß. Sie erzählten mir in ihrer aufdringlichen Händlerart vieles; auch von ihren Dichtern. Diese Herren schreiben, wie es ihnen gefällt. Die Handschrift ist für die Dichtung belanglos. Dichter kann sogar ein schreibunkundiger Bauer sein.“

„Es ist lächerlich, Majestät,“ meinte der greise Song, „die westlichen Langnasen sind eben, — die Ameise hätte bald gesagt: Strolche. Wie einsichtslos überhaupt, uns von ihren sogenannten Dichtern zu erzählen.“

„Durchlaucht Song haben ja von mir manches gelesen.“

„Alles, Majestät.“

„Nun alles. Ich will nicht geschmeichelt sein. Auch Exzellenz haben manches von mir gelesen?“

Hu marschierte unruhig; er begeisterte sich zwar leicht, machte einen aufrichtigen Bewunderer und Beschützer der Künstler, doch ließ seine Sachkenntnis zu wünschen übrig.

„Der Esel hier, Majestät, hat in der Tat manches aus dem kaiserlichen Pinsel gelesen —“