„Eure Majestät ist ein weiser frommer Krieger. Sie suchen die Länder, die Ihnen zustehen, zu gewinnen. Tibet hat mit der Reinen Dynastie früh innige und friedliche Fühlung gehabt.“
„Ich bin nicht fromm. Ich habe mich viel bemüht, zu denken, wie Eure Heiligkeit sprach. Es wurde mir schwer; man kann nicht Kaiser und fromm sein. Lassen Sie; ich versichere Sie, es ist so. Man hätte mich längst ermordet, wenn ich auch nur eine halbe Stunde fromm in Ihrem Sinn gewesen wäre. Ich bemühe mich. Und darum habe ich Sie gebeten, zu mir alten Manne zu kommen.“
„Ich bin dem östlichen Herrn zugetan. Die Verstrickungen, in die er fällt, sind groß. Ich weine mit ihm, wenn er sich ängstigt.“
„Pantschen Rinpotsche, wie hieß jener reiche indische Almosenverteiler, von dem Sie dem gelehrten Chu-tuk-tu und mir gestern erzählten? Der fromme Mann kam dem Siegreich-Vollendeten entgegen, ließ ihm ein Kloster bei Sche-wei, der Stadt des Hörens, bauen; unzählige heilige Bücher, sagten Sie, schrieb dort der Sohn des Cakya.“
„Ich sprach von Sudatta.“
„Ich heiße Khien-lung, und bin tausendmal reicher als Sudatta bei Sche-wei. Sie werden meinen Besitz nicht nachprüfen können. Ich lege Ihnen hin, Pantschen Rinpotsche, was Sie wollen. Ich baue Ihnen Klöster, wie Sie nie gesehen haben; meine Baumeister, Architekten, Maler sollen ihr Letztes hergeben. Ich verleihe Ihnen den Besitz der benachbarten Städte, der ganzen Provinz, in der Sie wohnen. Bleiben Sie eine kleine Zeit in meinem Lande. Ihr Tibet kann Sie entbehren; dies Land wird noch vor Heiligkeit bersten; andere, die Sie brauchen, leiden Hunger. Ich brauche Ihnen nicht die Schönheit meiner Provinzen zu schildern. Sie sind selbst alt, Pantschen Rinpotsche; der Lobsang Paldan Jische, den Sie jetzt bewohnen, mag sich im Lande des Östlichen Drachensohnes wärmen. Der siegreich vollendete Gautama hat solches Geschenk nicht verschmäht; ich denke wie Ihre Gläubigen, wenn ich sage: Eure Heiligkeit segnet mich, indem Sie mein Geschenk annehmen.“
„Was will der Östliche Kaiser von dem Körper Paldan Jische?“
„Blicken Sie nicht finster, Pantschen Rinpotsche. Es handelt sich nicht darum, Sie gefangen zu nehmen. Meine Regierung ist fest überzeugt von der guten Gesinnung in Ihrem Lande. Es ist nicht Politik; glauben mir Eure Heiligkeit.“
„Ich habe Vertrauen zu der Duldsamkeit Khien-lungs.“
Der Kaiser sah auf das blaßrote Teppichmuster. Der warme Blick des Heiligen ruhte über seinem Gesicht, unter dessen Linien die Abgründe klafften.