„So hat der Tschan-tscha Chu-tuk-tu nicht sicher gefühlt, als er Sie und mich allein ließ?“

„Eure Heiligkeit kennen Khien-lung nicht. In einer Hinsicht bin ich noch kein Jahr gealtert: in meiner Vorliebe für das schöne helle Sonnenwetter. An solchen Tagen fühle ich nur den Himmel über mir, und ich habe die Überzeugung, daß er es mit mir gut meint. Paldan Jische, an solchem Tage braucht Khien-lung keinen Rat; er ist heute nur überströmend froh, ihn mit der Blüte des Schneelandes gemeinsam zu verleben.“

„Ich zweifle, was ich Eurer Majestät sein kann. Die Sonne und die hellen Tage sind schön, aber sie sind überflüssig. Sprechen Majestät nicht so zu mir.“

„Wie soll ich zu Eurer Heiligkeit sprechen? Soll ich anfangen, wie gestern, die Beängstigungen meiner Nacht in den schönen Tag hineinzerren? Sie werden mich anblicken, mitleidig, aber: ‚Gut, gut, noch mehr!‘ dazu sagen. Da Sie nicht verstehen wollen, daß ich alter Mann keine neue Weisheit mehr lernen kann. Der Tag ist schön; ich bedaure aufrichtig, den weisen Chu-tuk-tu nicht zu empfangen; belehren Sie mich allein, Pantschen Rinpotsche.“

„Wo ein Fluß das Ufer unterwühlt, wird man ungern eine Pagode errichten.“

„Ich wünschte, Pantschen Rinpotsche, der Chu-tuk-tu wäre hier und hörte Ihnen zu. Sind Sie nicht Mörder in Ihrem Mitleid um mich, in Ihrem Verlangen mich zu retten? Ich lobe diesen Tag, der mich aufrichtet und wieder glücklich macht nach Ihrem harten ‚Nein‘ von gestern. Aber die Sonne soll nicht wärmen und die Lerchen sollen nicht singen, weil sie für Sie überflüssig sind. Wissen Sie, Pantschen, was Sie mir bedeutet haben, wie ich Sie die letzten Monate erwartet habe! Ihr Anblick im Garten hat mich erschüttert; mir ist zumute gewesen, als sollte eine Art Gericht über mich hereinbrechen. Ich habe mich getäuscht und will tun, als hätte ich nur den Besuch des Herrschers von Tibet empfangen, der im Begriff ist, mich unmäßig zu beschenken.“

„Schlagen Sie gegen mich.“

„Ich will unverändert bleiben wie ich bin. Meine Väter haben wie ich gedacht. Sie beten wir an, ohne die Kraft zu haben Ihnen zu folgen, ja, es ist ein Eishauch um Ihre Lehren.“

„Ich habe zum Amithaba für Sie gebetet. Wenn ich das Lichtlein, das in Ihnen brennt, anfachen wollte: verzeihen Sie mir. Seien Sie der kleine arme Mensch, Khien-lung, der Kaiser des mittleren Reiches.“

„Ich bin Herrscher des größten Reiches der Welt, und ich verlange keine Verwandlung. Ich bin als Sohn des Himmels geboren und werde auf dem Drachenthron sterben.“