„Wenn Sie dieser schöne Tag nicht reut und ich Ihnen das warme Sonnenlicht nicht verdunkle, will ich Eure Majestät fragen nach den Dingen, die Sie gestern berührten. Warum haben die Soldaten Eurer Majestät jene tausend Menschen in die Mongolenstadt getrieben, in der sie untergegangen sind?“
„Diese Menschen waren Rebellen, Paldan Jische, die meine Dynastie schmähten, ein eignes Königreich in meiner nördlichen Provinz gründeten.
Sie hatten eine verlogene Art, das heilige Wu-wei, das Nichtwiderstreben des Lao-tse in die Praxis überzuführen. Sie streiften, statt die Felder zu bestellen und Kinder zu erzeugen, in den Distrikten einher; bettelten, beteten wenig, hofften auf das Westliche Paradies. Da sie sich rühmten, durch Vereinigung mit dem Schicksal in den Besitz übernatürlicher Kräfte zu gelangen, strömten ihnen tausende tüchtige Männer, auch zahllose Frauen aus allen Gegenden zu. Es ging nicht an, daß meine Beamten da zusahen. Sie suchten sie zu zerstreuen; auch einige Schichten der Bevölkerung empfanden das Bedrohliche der Bewegung. Und dies war der Anfang von ihrem Ende.“
„Ich weiß noch nicht gut den Anfang. Aber das Ende weiß ich: daß Khien-lung ruhelos geworden ist. Wer hat für gut befunden, die Sektierer anzugreifen? Da sie doch selbst, wie Eure Majestät bemerkten, nicht angriffen.“
„Der Name dieses Mandarins ist mir nicht genannt worden.“
„Es kommt darauf nicht an.“
„Dies ist kein Verbrechen, Eure Heiligkeit: Männer, die ihre Frauen und Kinder verlassen, in ihre Häuser zurückzutreiben, Söhne, die den Dienst der Ahnen vergessen, zur Besinnung zu peitschen. Die Äcker müssen gepflügt, besät werden; die Steuern zur Erhaltung des Gesamtreiches müssen aufgebracht werden. Wenn Frauen, die ein Schatten und Echo im Hause sein sollen, unter Sektierer laufen, so soll man sie auf kleinen Ketten knien lassen; die unzüchtigen Frauen und Nebenfrauen, die ihre Wohnungen verlassen, um unter Leuten, die sich schamlos ‚Brüder, Schwestern‘ nennen, Dirnendienste zu tun, mag man bestrafen, wie es in den einzelnen Gegenden Brauch ist: lebendig vergraben, in Säcke einnähen und ertränken, mit acht Schnitten töten.“
„Dies alles ist Recht. Ich schweige schon. Ich vermag nicht zu fassen, wie aus solch prunkendem Anfang das bejammernswerte Ende entstehen soll.“
„Nein, Pantschen Rinpotsche, dies bleibt rätselhaft. Genau soll man tun mit den Verbrechern, wie ich sagte. Und doch ist das wie ein Kopf, der eben noch ernst, würdevoll blickte, und plötzlich das Maul und die Augen wie ein Tiger aufreißt und brüllt. Was ist dieser Kopf, Pantschen Rinpotsche? Warum gähnt er mich an?“
„Lassen Sie ab, Khien-lung. Schließen Sie Ihre Seele ein. Ich hebe mein Zepter. Der Buddha Cakya-muni hat die Ursachen des Daseins und ihre Verknotung enthüllt; zurzeit der Morgendämmerung vor seiner Erhöhung wurde dem Königssohn von Kapilevastu die Erkenntnis. Sie häkelten Ursache mit Ursache zusammen; ich nehme den Faden, löse die Naht auf. Die Sekte wanderte im Dunkeln, suchte den Buddha und hätte ihn gefunden. Sie sind über die Männer und Frauen gefallen. Sie haben tausend ruhelose Geister geschaffen. Sie haben die Kette ihrer Wiedergeburten unnatürlich verlängert. Man kann nicht schlafen, wenn es nachts mit tausend jammernden, anklagenden Geisterknöcheln gegen Türen und Pfosten klopft. Khien-lung, Sie halten Ursache neben Ursache.“