Ein Pfeifenverkäufer, ein langer Mensch, ging an ihnen vorbei; seine Bambusrohre, die er auf der Schulter trug, streiften Wang mit ihren weißkupfernen Saftstücken am Hals; Wang fuhr hastig zusammen und drehte sich um. Er warf einen bösen Blick auf den Händler, der gemächlich im Schnee vorantrabte. Auf der Anhöhe, die sie neulich im Gestöber erstiegen, standen viele Kinder, Knaben mit bunten Kappen; das Schlagen eines Tamburins scholl herüber; im Kreise der Kinder sprang ein Mann mit einem angeketteten schwarzen Bär; der Mann klirrte seinen runden fellbezogenen Rahmen über den Kopf, auf den Rücken, wirbelte sich herum; der Bär umging ihn sachte, aufrecht, suchte mit den Vorderpfoten die Schultern des Herrn zu berühren, die Kinder kreischten.
Wang, in sichtlich großer Erschlaffung, sagte, die Nachricht vom Schicksal Ma-nohs sei auf ihn doch tiefer eingedrungen als er geglaubt hätte. Es komme ihm vor wie ein Steinschlag in den Brüchen, den er einmal gesehen hätte; zwei überlebende Leute hätten dagesessen und immer gelacht. So ginge es ihm wirklich auch. Er redete in dieser Weise weiter, in einem unnatürlich gleichmütigen berichtenden Tone.
Als Ngoh, der wieder ängstlich wurde und sich Erregungen nicht gewachsen fühlte, fragte, was Wang vorhabe, lächelte der große Bettler eigentümlich traurig und sah leer vor sich hin. Sie kehrten um. Und als sie schon in der Höhe des lustigen Kinderhügels waren, umhalste Wang seinen Bruder und sie spazierten umschlungen.
Es hätte sich alles so unübersehbar gewendet, meinte Wang, daß er keine Lust habe, mehr etwas zu ändern oder herbeizuführen oder überhaupt irgend etwas von Belang zu verrichten. Er führte Ngoh, der unruhig folgte und ihn nicht verstand, auf den Hügel, um dem Bärentanz zuzusehen. Beim Anblick der beiden Zerlumpten stoben die Kinder lautlos auseinander; der Tamburinschläger zerrte sein widerspenstig brummendes Tier hinter sich her. Die Männer machten abwinkend kehrt.
Ja, er sei fröhlich, fuhr Wang fort. Es sei alles unübersehbar, aber schließlich hätte Ma-noh recht behalten. Der warnte am Ta-lousumpfe davor, den Gelben Springer zu gebrauchen; es wäre ein Verstoß gegen die Lehre des Nichtwiderstrebens. Weil er, Wang, nicht dieser Meinung war, hätten sie sich getrennt. Das Unglück in der Mongolenstadt wurde heraufbeschworen. Zum Schluß pralle das Schwert gegen seine Brust zurück: es geht nicht an zu widerstreben. Ma-noh prophezeite sein Schicksal, und er habe versagt.
Ngoh wendete ein: was denn dabei für ein Grund wäre zu lachen und sich zu freuen.
Soviel Grund, sagte Wang mit aufleuchtenden Augen, wie einer hat, der ganz unerwartet, ganz plötzlich über sich belehrt wird von Grund aus, als ob ihm das Fell vom Leib abgezogen würde. Man ist zufrieden. Man fühlt einen Boden unter den Sohlen. Man weiß, woran man mit sich ist.
Wang war ersichtlich zu zerstreut, gut aufgelegt, rechts und links abgelenkt, um viel zu sprechen. Später schwatzte er, aber so eigentümlich Belangloses, daß Ngoh erstaunte. Wang zeigte Interesse an den einfahrenden Schlitten, mokierte sich über die wackelnden Damen und die hinter ihnen schwänzelnde Eleganz, erzählte Gauneranekdoten. Ngoh konnte erkennen, wie aus dem erschlafften Gesichte Wangs sich neue verblüffende Züge herausarbeiteten. Ein bäurischer Spaßmacher, ein anderer Mensch mit anderer Stimme schlenkerte neben ihm.
Sie setzten sich auf einen plötzlichen Einfall Wangs zu ein paar Bettlergruppen am Tor, würfelten mit ihnen. Ngoh erwartete von Wang eine auffällige Gebärde, einen schmerzlichen Blick. Aber der Träger des Gelben Springers schien sich immer mehr wohl unter dem habgierigen faulen unflätigen Gesindel zu fühlen. Er war heiter ohne Krampf, rekelte sich und beachtete Ngoh nicht mehr.
Als er ein schmutzstarrendes Mädchen, den Gemeinbesitz dieser Bande, zu sich auf den Schoß nahm, stand Ngoh angeekelt auf. In einer wühlenden Verwirrtheit schlich er nach dem Tore.