So lernte sie die verschiedenen Sorten Geister, Gespenster, Dämonen benennen, ihre Merkmale unterscheiden, die Umwandlung in Werwölfe, Füchse, Rattendämonen, die Art ihrer Fesselung und Entlarvung, die Handhabung der Aschen, Amulette, Papiere, Schwerter, Wasser.

Zwischen Schauern und Zärtlichkeiten schwebend blieb sie die junge würdige Dame Pei, die reich genug war, um ihren Launen nachzugehen. In den Zirkeln ihres Verkehrs widersprach sie niemals dem geheimnisvollen Reden hinter ihrem Rücken. Sie war geduldig, wartete auf die Gelegenheit ihre Kräfte zu zeigen, denn sie hungerte nach Einfluß in diesen Sphären.

Nun nahm an den Damenunterhaltungen auch eine bildschöne Frau Jing teil, welche Dienst bei einer kaiserlichen Prinzessin tat; so zierlich und ebenmäßig die Person war, so dumm war sie auch. Die Dame Pei hielt sich von ihr fern, weil sie in der Nähe von Schönheiten bitter wurde. Frau Jing riß staunend den Mund auf, als sie die abenteuerlichen Mächte der Dame erfuhr; sie drängte sich an die Überraschte heran, fragte sie aus, besuchte sie in ihrer Wohnung, bewarb sich sichtlich um die kühle Pei, die mit ihr spielte und sie von oben herab behandelte.

Aber im Augenblick änderte die Pei ihr Benehmen, als eines Tages Frau Jing entzückt aus ihrer Sänfte stieg, sie umarmte und eine Einladung der Prinzessin überbrachte zu einer kleinen Tasse Tee. Mit Herzlichkeit erwiderte jetzt die Pei die stürmischen Liebkosungen der jungen Jing, die sich in der Nähe einer Wu glücklich und geborgen fühlte. Auf die erste Höflichkeitsvisite bei der Prinzessin folgten intimere Besuche, und die schmutzige Haussklavin des Vorstadtbarbiers stand im Beginn ihrer glänzenden Karriere.

Sie war am Hof der Roten Stadt unter Weiber und Eunuchen hineingeraten, die im Schwall abergläubischer Verworrenheiten versanken. Hier zentrierte sich in kurzer Zeit alles um die geschickte Dame Pei. Einige Prinzen fanden sich bei den Konventikeln ein; die dunklen Seancen wurden im verschlossenen Zimmer abgehalten, Damen und Herren standen rasch unter der Suggestion der sich elegant und sicher bewegenden Frau, die heimlich selbst nichts mehr fürchtete, als daß eins ihrer Experimente gelänge.

Der Günstling Khien-lungs, der Prinz Pou-ouang, war ein freier dreister Knabe; seine Schwester wünschte ihn zu bekehren; schnell störte er die geheimnisvollen Arrangements der Dame Pei, die er wegen ihres angeblich bösen Blicks nicht leiden mochte. Seine Zähmung gelang leicht; die sanfte und scheue Prinzessin, schokiert durch sein Auftreten und in Schmerz um die betrübte Pei, drang in die Zauberin, den Prinzen durch eine Handgreiflichkeit zu überzeugen. Sie bot ihr an, gar keine Mühe an den Jüngling zu verwenden, ihn zunächst auf einen groben Betrug hereinfallen zu lassen. Und halb widerwillig mußte die entzückte Frau darauf eingehen, dem lächelnden Pou-ouang eine morgendliche Begegnung zu prophezeien, für deren Ausführung die Prinzessin in einem Pflichtgefühl gegen ihren gekränkten Gast sorgte. Die Verblüffung des Prinzen war nicht geringer als seine folgende Demut und Unsicherheit vor dem Schützling seiner Schwester.

In seinem Eifer brachte der Knabe den berüchtigten Prinzen Mien-kho in den magischen Kreis, dem auch der Obereunuch angehörte. Mien-kho, breitschultrig, gedrungen, immer in Generalsuniform mit dem Löwen im Brustschilde, ein bramarbasierender tollpatschiger Mensch, fühlte sich außerordentlich geehrt, in diese ungewöhnliche Gesellschaft aufgenommen zu sein, saß in dem Balkonzimmer, das für die Sitzungen diente, mit geschwollenem Kopf und offenem Munde. Khien-lung haßte diesen Sohn, der durch sein rohes Wesen auffiel und in den Hintergrund gerückt wurde. Als dieser breitbeinige, von sich eingenommene Mann die Künste der Dame Pei wahrnahm, lehnte er nicht ab wie der junge Pou-ouang, sondern zeigte sich bei den gemeinschaftlichen Rückwegen aus dem Boudoir schweigsam, finster erregt, so daß Pou-ouang noch mehr von der wunderbaren Frau überzeugt war.

In dem wirren Gehirn des Kriegsmannes setzte sich eine Idee fest: sich der Dame Pei zu bemächtigen und sie zu zwingen, ihre Fähigkeiten ihm zur Verfügung zu stellen. Die junge Frau Jing, die vor ihrer Verheiratung seine Konkubine war, und der Obereunuch Schang erschraken, als der Prinz sie auf dem Wege zur Frau Pei einholen ließ durch seine Läufer, sie in seine eigene Sänfte einlud und durch die Straßen spazierend ihnen ohne Umwege sagte, daß die Dame Pei ihm ihre Dienste angeboten hätte und er von ihren dunklen Kräften Gebrauch machen wolle. Frau Jing und Herr Schang müßten ihm behilflich sein, sich der Dame zu versichern. Es sollte nicht zum Schaden der beiden Herrschaften sein. Festnehmen aber müsse man die Zauberin, denn es sei absolut nötig, sich vor Verrat zu schützen.

Den Einwand des Herrn Schang, daß man ja bei der Bereitwilligkeit der Wu nichts zu fürchten hätte, wies der heisere Prinz, der aus gequollenen Bullenaugen blickte, zurück. Man müsse alles mit Entschiedenheit und Gewalt machen. Auf ein Gespensterweib sei kein Verlaß; wozu die entschlossene Frau Jing nickte.

So geschah an diesem Nachmittage das Seltsame, daß die geschmückte Dame Pei von Herrn Schang und Frau Jing abgeholt in der Sänfte des kaiserlichen Prinzen Mien nach einem abgelegenen Haus der Verbotenen Stadt gebracht wurde, wo sie angekommen in ein Hinterzimmer geführt von dem häßlichen Prinzen angefallen, gefesselt und auf den Boden gesetzt wurde. Das Seidentuch nahm er ihr aus dem Mund, als die fast Erstickende durch wildes Kopfnicken erklärt hatte, nicht zu schreien. Während sie nun in ihrem prächtigen pelzgeschmückten Kleid an der Erde saß, leise weinend und für ihr Leben fürchtete, dröhnte Mien vor ihr auf und ab, prasselte den Prunksäbel hin und erklärte sich für ihr Leben und ihre Sicherheit einzusetzen, wenn sie sich ihm ohne Einschränkung zur Verfügung stelle.