An kleinen Tischen gruppierten sich die zwölf Herren, lackierte viereckige Tische, um die schwarze Holzhocker standen, mit gelben und roten Kissen belegt. Ein größerer runder Tisch in der Mitte der unteren Halle trug die Platten mit Obstsorten, Melonen, Salat, gesalzenen Enteneiern. Die Schälchen mit den zahllosen Suppen verdrängten sich auf den Tischen, Schwalbennester, Haifischflossen mit Pilzen, Meerwürmer, Wurzeln des Nenuphar, Bambusschößlinge; Entenbraten mit Wallnüssen, gerösteter Schweinebraten in Stückchen. Mit Süßigkeiten, Mandeln, Melonenkernen schloß man. Die kaiserlichen Diener huschten mit Täßchen und Weinkannen. Allgemeines Verneigen, Schwingen der Täßchen, gemeinsames Setzen, Murmeln.
Die Saitenmusik begann. Es wurde gebeten, sich des Fächers zu bedienen. An der Längswand der Halle, gegenüber der kaiserlichen Estrade, war eine kleine Bühne geöffnet. Zu den näselnden Tönen unter Zutritt von Holzschlägern stiegen Tänzerinnen auf die Bühne; so feine schlanke Leiber sie hatten, es waren Eunuchen. Aus weichen Augen verhaltene verstummende Blicke; Wangen, Münder, Augenbrauen unter der Schminke geformt; Perücken und klingelnder schaukelnder Silberbehang der schwarzen Haare; schwarze Seidenkittel in bauschigen Falten, lockere gelbe Hosen, in grünen hohen Stiefeln aus Atlas belebte Füßchen. Nur ab und zu würdigte sie einer der Gäste eines Blickes. Sie stellten, zu Paaren tanzend, Pfauenfedern auf die Bühne, wanden sich blitzschnell hindurch, zerrten sich graziös zueinander, wippten in die Höhe über eine Feder weg und erstarrten auf einen spitzen Fuß aufspringend, drehten sich langsam auf den Zehen um sich selbst, während ihre winkligen Arme in die Höhe rangen, sich suchten und verschlangen.
Sie tanzten lautlos, ein Schattenspiel. Khien-lung richtete oft die Augen auf Kia-king, der wie immer allein saß und träumte.
Eine zarte Frauenstimme sang zur Geige und Laute hinter der Bühne. Wie es in dem alten Liede heißt: mit Tönen gedämpft, von Traurigkeit verschleiert, die tiefen Saiten wie die Flut rauschend, die oberen flüsternd, und als die Töne lebendiger wurden, glaubte man einen Perlenregen zu hören, der auf eine Marmorplatte fiel. Die klagende Stimme sang das Lied Tu-fus: „Ich bin bewegt von tiefer Traurigkeit und lasse mich in das dichte Gras nieder. Ich beginne, mein Schmerz tönt. Tränenüberströmt, tränenüberströmt. Ach, wer könnte lange wandeln den Weg des Lebens, den jeder für sich durchläuft?“ Und wie es in dem alten Gedicht heißt: das Ende des Spiels glich einem zerbrochenen Gefäß, aus dem das Wasser hervorströmt; und zum Schlusse fuhr der Bogen über die Saiten, die unter einem einzigen Strich erzitterten, wie wenn man ein Stück Zeug zerreißt.
Khien-lung nickte. Der thronende blatternbesäte Buddha aus Tibet stand vor seinen Augen; Fetzen schwarzer brandiger Haut hingen von gedunsenen Backen; die sonst platte gerade Stirn beulte sich wie bei einem Wasserkopf. Als lebender Buddha von Taschi-Lunpo nach Jehol gewandert, als geschwüriger Fleischklumpen von Kuang-tse aufbrechend.
Geige, Laute und Frauenstimme sangen auf den Wunsch des Gelben Herrn noch dreimal das Lied Tu-fus von der Vergänglichkeit.
Dann erhob sich Khien-lung. Ein Eunuch stand neben Kia-king und flüsterte ihm ins Ohr. Tanz, Gesang, Schmauserei wurden unterbrochen vom feierlichen neunmaligen Berühren des Fußbodens.
Während in der Halle die Fröhlichkeit zunahm, die wilden Bändertänze zu der stachelnden Musik geschwungen wurden, Spieler in grünen und roten Säcken auftauchten, sich sonderbar umringten, gegeneinander wühlten, schritt der Gelbe Herr hastig neben Kia-king unter der unnahbaren Schwärze der Zypressen, die ihre finsteren Flammen, Säule neben Säule, zu dem rosigen Abendhimmel rauchten.
Khien-lung verlangte von seinem Sohne, dessen schokoladenbraunes Obergewand bei dem raschen Vorwärtsschreiten brandrote Falten warf, sich über das Vorkommnis zu rechtfertigen, das er kenne.
Kia-king seufzte, er antwortete nicht gleich; drückte seine Gereiztheit und Ungeduld herunter, wies leise auf seine Briefe hin, die er nach Jehol bei dem Hochverrat Mien-khos gerichtet hatte.