Das genügte Khien-lung nicht; er verlangte mündliche Rechtfertigung; das Wort „Entschuldigung“ entfuhr ihm und gab Kia-king einen Wink.

Der Kaiser wollte Frieden. Kia-king staunte. Es lag etwas Peinigendes in der Vorstellung, daß Khien-lung sich schwach fühlte.

Kia-king übertrieb seine Höflichkeits- und Ergebenheitsäußerungen, erklärte sich schlicht schuldlos, ohne den geringsten bitteren Ton anzuschlagen.

Der Kaiser brach in wilde Vorwürfe aus; sie seien hier in der Purpurstadt eine saubere Gesellschaft; nach dem Leben trachteten ihm seine Kinder, alle Ehrfurcht vor den Eltern sei hin; er könne Kia-king nicht stark genug versichern, wie genug er davon hätte, Vater von Söhnen zu sein, die die Gesellschaftsordnung kaum dem Namen nach kannten. Das Alter käme an ihn heran, sie hätten es richtig beobachtet. Das Verhalten seiner Kinder ekle ihn; er schäme sich für seine Kinder.

Ohne auf die Anklagen einzugehen, seufzte Kia-king, er habe gehofft, dem toten Paldan Jische sei es gelungen, die Unruhe des Vaters zu beheben. Ob nicht das große Lehrerjuwel ihm in Jehol geleuchtet hätte und den Weg beschienen hätte.

„Den Weg beschienen! Kia-king, wir sind keine jungen Knaben. Sieh einmal hin, wie mir dieses Juwel geleuchtet hat, bevor es erloschen ist: ja, hat es mich nicht betrogen, dieses Lehrerjuwel, bevor es erlosch? Die Präfekten schicken mir Berichte auf Berichte vom Aufruhr; ich freue mich, daß es so schön brennt. Und das ist Paldan Jische gewesen, der Pantschen Rinpotsche, der Weisheitsozean, die Kostbarkeit vom Gnadenberg. Es wäre dazu nicht so viel Weisheit nötig gewesen.“

Kia-king flüsterte, vorsichtig sondierend: „Der fremde Mann kennt nicht die Bodengeister unseres Landes. Er redet und erwägt mit Weisheit. Man kann kaum mit tibetanischer Weisheit östliche Menschen beruhigen.“

Khien-lung streifte seinen Sohn mit einem fremden Blick; er wurde finster, als er sich wieder den Zypressen zuwandte. So fremd ging er neben dem Kia-king, unter dessen Abwesenheit er gelitten hatte. Sie nahmen zum Entsetzen Kia-kings auf jener Bank unter der Thuje Platz, in deren Erde die Gespensterpuppe Mien-khos und der Dame Pei begraben war. Der Kaiser ließ sich wuchtig auf die kleine Holzbank fallen, streckte das Kinn vor, blickte auf die Erde, die er mit seinem Fächer anwehte, sprach weiter, während er Kia-kings Augen nicht losließ.

„Du sollst mein Nachfolger sein, Kia-king. Ich gebe die Hoffnung auf, einen besseren Nachfolger zu finden. Ich mag nichts mehr hoffen, ihr habt mir das vergällt. Hier, sieh, diesen kleinen Schlüssel, der zu meinem Schreibtisch paßt; wenn mich der Himmel rufen sollte, so wirst du meinen Schreibtisch öffnen und ein Schreiben im Buche Li-king finden, das dich zum Thronerben ernennt.“

Er fixierte immer weiter Kia-kings feistes gleichmütiges Gesicht. Kia-king blickte traurig vor sich hin; in seinem schlaffen linken Augenlid zuckte es: „Ich möchte nicht Ihr Nachfolger sein, Majestät. Ich sehe keinen Unterschied in Ihrer Art, Pou-ouang nach dem Ili und mich auf den Thron der Tai-tsings zu schicken. Sie klagen mich an. Ich habe es nicht verdient.“