„Es mag an dem späten Nachmittag liegen. Wenn wir in die Halle zu den Gästen zurückgehen, wird meinem Vater besser werden. Oder wenn wir zu den Orchideen hinübergehen. Sie hatten früher eine Vorliebe für meine Orchideen. Wollen Sie sich erheben? Sie würden mir das größte Glück geben mit Ihrem Vertrauen, Vater. Ich habe nichts unterlassen und will nichts unterlassen Sie zu verehren. Wollen Sie sich erheben?“

„Nein, bleibe noch hier.“

„Suchen Sie etwas an der Erde? Ist Ihnen etwas hingefallen.“

Khien-lung hatte sich vornüber gebückt und wühlte mit seinem edelsteinbesetzten Fächer in der Erde.

„Nichts. Nichts ist hingefallen. Ich will dir nur zeigen, daß ich keine Angst habe. Mit der Dame Pei und dem schlimmen Mien kann ich es aufnehmen. Vor der Nacht fürchte ich mich nicht. Gestern nacht hättest du mich sehen müssen. Wie ich an den Wachen vorbei aus der Tür gegangen bin. Durch den Garten; keiner hat mich gesehen. Es brauchen nicht vier Menschen zu sein, um eine Puppe zu tragen; man hält sie in einem Leinentuch auf dem Arm wie ein Kind. Sie ist etwas schwerer, etwas kälter. Ich habe Pou-ouang selber oft so getragen; ich liebe Kinder sehr. Solche Puppe schreit auch nicht. Siehst du, Kia-king, ich habe die Stelle.“

Er bohrte mit Anstrengung in dem Boden; einige Stangen seines weißen Fächers zerbrachen und hingen lose beiseite. In dem Loch mußte er etwas erkannt haben; er griff hinein, rüttelte. Die Erde lockerte sich. Er zog ein weißes Tuch hoch an einem Ende; etwas schwarzes kam mit hoch; plötzlich rollte es auf dem Tuch fort. Kia-king sprang gleichzeitig mit dem Kaiser auf, der die Puppe von der Erde aufraffte und sie dem zurückweichenden triumphierend zeigte.

„Hab ich nun Furcht, Kia-king, oder hab ich keine Furcht? Du brauchst dich nicht zu ängstigen; das bin ich ja selbst; ich hab niemanden andern bezaubern wollen. Es liegt mir nicht daran, Euch, wie Ihr heißt, zu bezaubern; mit Euch werde ich schon fertig. Wie schön man mich hier ausgestattet hat. Die Dame Pei muß eine vorzügliche Schneiderin sein, daß sie meinen Kittel, mein Obergewand, meinen Gürtel, meinen Fächer, ja sieh, meinen Ring so genau nachmachen konnte. Wenn ich ein Dämon wäre und nicht wüßte, wer Khien-lung ist, würde ich mich selber verlaufen in dieses Ding hier. Schön ist die Figur, kostbar; Brüderchen, Brüderchen, bist du schön, lebendig! Kannst du mir deinen Ring schenken; wir wollen uns doch begrüßen, altes spätgeborenes Brüderchen aus Jade.“

Kia-king ächzte und schauderte. Er fürchtete sich die Figur in dem Leichentuch anzufassen und mußte sie Khien-lung entreißen.

„Vater, was soll das. Geben Sie mir die Figur. Es ist nicht recht, mit der Figur zu spielen. Tun Sie es mir zuliebe, Vater; man wird Sie und mich von der Halle aus sehen.“

Die feinen Geigentöne wehten wieder durch die Zypressen herüber. Der Gelbe Herr, mit freudig verzogenen Mienen, ließ nicht ab, die Puppe zu betrachten, an sich zu drücken: „Tu-fu hat unrecht, Kia-king. Zu guter Letzt hat Tu-fu unrecht, das freut mich. Wer könnte lange wandeln den Weg des Lebens, den jeder für sich durchläuft. Ich kann ihn wandern, denn ich habe einen Kameraden gefunden, aus Stein. Ich weiß bald nicht, ob er es ist, der hier steht, oder ich es bin, der da gelegen hat. Wir beide, das ist sicher, halten zusammen, die Puppe und ich, Kia-king. Und finden den Weg des Lebens so erträglich. Opfere für uns, Kia-king, mein lieber Sohn, verehre uns gemeinsam. Und begleite uns beide nach meiner Wohnung herüber, nach unserer Wohnung.“