Versunken richtete er sich auf, schlürfte über den Teppich, murmelte: „Beten, beten. Paldan Jische, beten. Man bestiehlt mich. Beten, Paldan Jische.“

Er drängte sich am Fußende seines weißen Bettes gegen die Wand. Die Mauer war schrankartig vertieft; ein kleiner Aufbau mit der Ahnentafel füllte diesen Raum. Khien-lung rutschte seitlich vor dem Aufbau um; sein Winseln und Stöhnen, von der Höhe zur Tiefe gehend, klang wie der monotone Gesang eines Gefolterten. Der Kaiser, mit stumpfen Augen, tränentriefend, wandte sich nach seinem Bett, zog eine purpurne Decke herunter, zerrte sie hinterher nach der Wandvertiefung. Er stolperte, sich in das Tuch verstrickend, und hielt zweimal inne, weil unter seinen Sohlen Perlen knackten. Dann hob er das purpurne Laken auf und hing es mit unsicheren schüttelnden Händen über den Aufbau, stopfte es fest um die silberne Ahnentafel.

Er seufzte und ließ sich auf einen Hocker fallen, wo er still blieb, während ihm der Kopf auf die Brust sank und er von Zeit zu Zeit die Stirn runzelte und die Lider hoch zog. Er bewegte oft die Lippen.

Gleich nachdem der Wirbel der zweiten Nachtwache verklungen war, schwankte die Tür. Khien-lung beobachtete es angestrengt, ohne den Kopf anzuheben. Er hatte geglaubt, die Türe wäre geschlossen. Aber sie mußte offen sein, denn sie schwankte sichtlich. Auch die lockere Seidenspannung des hohen Wandschirms neben der Tür blähte sich. Zwei Perlen, dicht zu seinen Füßen, rollten weiter, von dem Schirm rollte eine große Perle weg. Als hinter seinem Rücken etwas klapperte, drehte sich der Kaiser um.

Eine schlanke Frau in rauchblauem Mantel ließ sich von einer unbeleuchteten Ampel herunter und konnte nicht gleich mit den Füßen den Boden finden. Von der Decke kam ein Luftzug; die Frau war von der Decke eingestiegen.

Mit zerzausten Haaren schwebte das Gespenst auf Khien-lung, der sich erhob, und schrie ihn, sich gegen seine Brust drängend, an: „Warum stehst du auf? Warum hilfst du mir nicht?“

Der Kaiser wich ängstlich zurück, bat um Entschuldigung, er kenne sie nicht.

Sie schlug ihren Mantel zurück; da hing an ihrem Gürtel ein Bündel dünner Seile. „Lauf nur weg,“ schrie sie weiter, „du kennst mich nicht? Auf wen wartest du denn hier. Mein Mantel ist zerschlitzt.“

Sie huschte, sich im Zimmer umsehend, an die Wandvertiefung: „Meine Kämme habe ich verloren.“

Sie zerrte das rote Laken von dem Aufbau herunter, der alte Herr lief bettelnd herbei.