Ein feines Klappern erhob sich in der Ahnentafel. Wimmernd suchte Khien-lung sie bei den Händen zu fassen. Unter höhnischem Lachen und Bläken der Zunge warf das Gespenst ein Seil um die Bronzeketten der Ampel, schleifte die rote Decke hinter sich, so daß Khien-lung auf dem gleitenden Stoff fehl trat und zu Boden dumpfte, verschwand durch den Türspalt.

Der Kaiser wälzte sich mühsam hoch, hinkte hustend, speiend, seine Brust haltend, an die Ampel, stieg auf einen Hocker, wand sich unter Schwanken den Strick um den Hals und stieß, die Schultern anziehend, den Stuhl mit schlagenden Beinen beiseite.

Als Kia-king in das trüb erleuchtete Zimmer kam, hing der Kaiser, mit den Füßen den Teppich streifend, an der Ampel. Die Tür war offen, eine rote Decke lag auf dem Gang vor dem Zimmer, mit einem Zipfel über der Schwelle. Die Schlinge war nicht fest geknotet. Der Körper sank durch seine Schwere, das gedunsene Gesicht mit dem schäumenden aufgesperrten Mund, den glotzenden Augen fühlte sich warm an. Ehe Kia-king in dem verwüsteten überheizten Raum eine Schere fand, plumpste der Körper auf den Teppich, mit dem Gesicht nach unten.

Kia-king troff der Schweiß juckend hinter den Ohren, um den Hals. Er knotete das Seil unter Khien-lungs Kinn auf, wälzte den Körper auf den Rücken, knetete die offene Brust, goß Wasser aus einem Weihbecken über die Stirn. Ein Spiegel, den er dem Kaiser vor den Mund hielt, überzog sich mit einem dünnen Hauch. Knistern und Röcheln stieg ganz von innen aus Khien-lungs Bronchien. In den hochgezogenen Lidern zuckte es; die hervorgequollenen Augen traten zurück und bekamen einen blanken Schimmer; das Herz, das nicht aufgehört hatte, langsam zu schlagen, verfiel in ein mörderisch überstürztes Tempo ohne Kraft.

Als Kia-king mit tränenschwimmenden blöden Blicken in einer Erschöpfung über den Teppich sank und das Morgengrauen im Zimmer die Röte des Ölflämmchens umstellte, stützte sich der Gelbe Herr mit beiden Armen auf, keuchte, hustete, stammelte. Er stand ganz auf, torkelte an das Fenster, wobei er sich mit den Händen seinen zerschnürten Hals hielt und rieb, knickte auf das Polsterbett, unsicher und unausgesetzt den ausgestreckten Kia-king betrachtend mit blutunterlaufenen Augen. Er rasselte stürmischer.

Den wollte er in der Nähe ansehen, den Menschen, der da feist schlief auf seinem Teppich; ei, der sich gefangen hatte, der Fuchs mit dem lahmen Bein. Der hatte sich gut gefangen; nicht einmal die Wachen hatten etwas bemerkt.

Stier und vorsichtig auf Kia-king losschleichend hielt er vergeblich seinen Atem fest, der kollerte und sägte. Da dunkelte ein Schwindel über seinen Rücken, zwischen die Schulterblätter gegen den Hinterkopf. Er segelte langsam um auf die Hände.

Kroch auf den vieren weiter, mit höllischem Vergnügen, schadenfroh, als er mit dem linken Daumenballen etwas Knackendes zerpreßte und die Hand aufhob. Er hielt sie dicht an das Auge, leckte den Perlensplitter mit der Zunge weg, spuckte ihn aus. Den Kopf schaukelnd duckte er sich eine Weile über den Splitter. Eine große Perle blinkte gerade vor ihm auf dem Teppich. Khien-lung verlängerte das Gesicht, riß den Mund auf. Er fuhr mit der Hohlhand sachte von oben über die Perle, als wenn er Fliegen fing, zog sich nach vorn, glotzte sprachlos abwechselnd auf den dicken Kia-king und die Hand unter sich. Dann tastete er zweifelnd mit der Linken nach seiner zerrissenen leeren Kettenschnur. Und breitbeinig, mit horizontalen Armen balancierend schwankte er aufrecht gegen Kia-king vor, die eine Perle in der Faust, die Brust kochend, raffte im Vorübergleiten von einem Tischchen einen zerbrochenen Buchrahmen, schlug hinstolpernd mit Fluchen, dumpfem Geschrei auf Kia-king ein. Kia-king schnellte hoch, kreischte; sie rangen.

Der Gelbe Herr brüllte heiser: „Der hat meine Perlenkette zerrissen, der Schuft, der Mörder, der dicke Dieb.“

Verzweifelt krächzte er, als ihn Kia-king umlegte: „Alle hat er zertrampelt. Meine schönen Perlen. Wache! Wache! Meine Halskette wirst du mir wiederbringen. Mord!“