„Tut nichts“, meinte Tang.

„Aber unser Boden wird rot“, grinste der Knöcherne stärker, schlürfte an dem Karren vorbei. Sie fuhren hinter ihm her. Tang sauste quer über den Weg, der zwischen steile Tung-chu-bäume führte. Tai stehen bleibend, schrie dem ungeschickten Händler ein wütendes „Ho-oooh!“ zu. Der Händler aber seinen Karren festhaltend, der ihm im Schwung fortrollen wollte, riß mit der freien linken Hand den Salzeimer von der Deichsel: er wolle ihm noch etwas anderes anbieten; vorher hätte er sich vergriffen; dies hier färbe auch rot. Die schnüffelnde Nase des Fischers fuhr zurück vor dem auf der rosigen Salzkruste herausragenden Halsstumpf. Die drei andern Männer trollten herzu, hielten den zappelnden Karren. Tang stellte sich höflich neben den Fischer, dessen kleine Augen von einem zum andern hüpften. Den Eimer auf den Boden gesetzt, zog er am Stumpf den Kopf des alten Chu heraus, drehte noch im Eimer das Gesicht nach oben. Tai bückte sich tiefer, tiefer herunter, hockte ohne Wort neben dem Eimer, die Hand des Tang fortstoßend. Er schien Merkmale von dem stinkenden schwarzbraunen Leichengesicht abzuzählen: den kleinen zusammengeklebten Kinnbart, die geriefelte Haut, die dicken Augensäcke, den vorragenden Unterkiefer. Dann blickte er an dem Holz des Gefäßes entlang, stubbte den Leichenkopf zurück, sprang auf, wischte sich die Hände im Sand und ging, mit den Fäusten den vier drohend, die er „Strolche“ angiftete, mit langen Schritten zum Dorf hinüber.

In ihrer Herberge unterhielten sich die fünf in der Kammer des Natternhändlers. Tang mußte die andern beruhigen. Ob sie geglaubt hätten, die Sache wäre mit vier krummen Buckeln und einem Grinsen abzumachen.

Der Wirt wußte schon, daß sie sich mit Tai unterhalten hatten, daß er ihnen aber nichts abgekauft hatte. Er riet ihnen, sich ganz früh bei der Abfahrt der Kormoranfischer am Fluß einzufinden. Da strömten Frauen und Männer zusammen. Ihnen läge doch nicht gerade an Tais verschlossenem Beutel.

Als der scharfe Morgenwind über den Gelben Fluß seine prallen pfeifenden Luftsäcke entleerte, standen die vier unter den rüstenden Leuten. Dutzende lange Flöße schwankten auf dem Wasser, schmal, vorn wenig aufgebogen. Eine Anzahl glitt im weißgrauen Morgenlicht stromabwärts, von Männern, die auf dem Vorderteil des Schiffs mit Ruderstangen liefen, geführt. Als Tai über den Sand drei lange Schiffsstangen hinter sich schleifte, löste sich aus der Gruppe der vier Händler Tang gegen ihn zu. Gleichzeitig sah der Fischer sie an und rief. Sie sprangen zu. Nachdem sie Stangen und Netze auf sein Floß geworfen hatten, das eine große Breite aufwies, stiegen sie mit ihm auf das Floß. Er gab jedem der Männer, langsam um sie herum gehend, einen Platz und eine Stange. Vor jedem Platz auf den schwankenden Brettern stand ein hoher Korb, auf dem hinteren Floß schrieen und hüpften die abgerichteten Vögel, die Kormorane.

Während die Fischer der Strömung folgten, um Klippen und Sandbänke glitten, tauchten die Vögel, watschelten vor dem Floß, brachten feuchtigkeitsprühend Fische im Schnabel an, die sie in den Korb fallen ließen, nach ihnen hackten. Die rudernden Männer, torkelnd, breitbeinig, sprachen im Tschi-li-dialekt miteinander, ohne sich umzudrehen. Tai fragte, wo sie im Dorf wohnten und wo der Eimer wäre. Als Tang geantwortet hatte, unaufgefordert vom Tode Chus präludierte, Wang-lun gleichmütig ihn hieß, seine Arbeit zu tun, dann würde es ihm gut gehen, schwieg ihre Unterhaltung. Langsam schwammen sie, von Wang gesteuert, gegen eine schwarze senkrechte Uferklippe, ließen die übrigen Flöße vorüber. Das gelbe Element schäumte, rieselte unter ihren nackten Füßen, die Vögel flatterten.

Wang-lun drehte sich um: „Ich habe euch schon gestern gedroht. Ihr habt hier nichts zu suchen, mit dem Kopf des alten Chu. Ich werde euch ins Wasser werfen.“

Tang erwiderte, es sei einer von ihnen in der Herberge, sie fürchteten sich nicht.

Verächtlich fixierte ihn der Fischer, hieb abstoßend in die Klippe. Sie schwammen weiter über den Strom. Als sie ruhiger arbeiteten, schrie einmal Wang plötzlich: es sei eine Kinderei, eine Niedrigkeit, den Kopf des alten Chu durch alle Provinzen zu schleppen. Wozu? Wem sie damit einen Gefallen täten? Chu sei alt, erfahren, hätte genug Provinzen durchwandert, sie hätten ihm Ruhe gönnen können.

Tang erwiderte, Chu sei noch zuletzt unter die Kämpfer gegangen; er habe gewünscht, ruhelos weiter gegen die Füchse, die Pelzdiebe, die Mandschus zu kämpfen, und das wäre ihm jetzt gegönnt.