Einer der sprachkundigen Tschi-li-läufer, dem eine Schulter hing, verneigte sich:

„Es fehlte mir in meiner Heimat nichts. Meine Sippe ist nicht arm. Du bist ein großer Wundertäter.“

„Ja, ich weiß schon. Es ist richtig so. Als wenn ich Gift um mich gespritzt hätte. Es geht immer so weiter. Nun redet doch. Wie kommt ihr euch also vor, wo ihr so dasitzt? Ihr braucht keine Furcht vor mir zu haben. Ich bin nicht verstockt wie mein toter Bruder Ma-noh war, als ich ihm zuredete. Wie ich euch am Ufer hab stehen sehen, hab ich alles gewußt. Mein Schicksal, mein ganzes Schicksal, das Schicksal meiner Frau. Ich hab euch erwartet, ihr, seit Monaten gefürchtet! Weil mir alles entzwei geht. Gefürchtet, o.“

„Weiß Wang-lun,“ fiel nach einer Stille Tang ein, „daß er das Brüllen eines Löwen ausstößt, eines trägen Löwen, den man aus seinem Käfig jagt?“

„Für euch hab ich zu viel getan, so viel. Nicht einen Käsch gebt ihr mir zurück. Ihr blitzt mich nur mit solchen Worten an, feilt an mir herum. Ihr grabt mich aus. Ihr wollt mich nach Tschi-li ziehen, damit ich an der richtigen Stelle geopfert werde, oder nach Schan-tung. In Tsi-nan-fu muß ich geopfert werden. Was macht ihr für Wesen um die Dinge. Wie viele hat der Kaiser Khien-lung von euch wieder morden lassen? Sagt rund tausend, zehntausend, zwanzigtausend. Ihr werdet gar nächstens noch Menschen zählen, ein paar mehr, ein paar weniger. Die Weiber auf den Schiffen drücken alle Tage einem kleinen Wurm den Schädel ein, darum werde ich nicht behelligt, darum wandert keiner von euch nur von hier bis an den Ofen. Es ist gleich, es bringt mich in Wut, was der Kaiser macht oder die Weiber machen oder das Darmfieber macht, es geht mich nichts an. In keinem Buch steht, daß man mich auch totschlagen soll, wenn zehntausend, hunderttausend in Tschi-li totgeschlagen sind. Was lauft ihr mir wie Gespenster nach? Ich bin euch nichts schuldig. Ich kann nichts, ich kann nichts dafür.“ Es war ganz dunkel. Auf dem Fußboden saßen sie mit baumelnden Köpfen, erkannten sich nicht.

„Was habe ich schon alles geopfert, was hat man mir weggenommen? Ja, zu mir kommen sie mit solchen Sachen. Mit erwürgten Freunden. Mit abgedrehten Köpfen. Als wenn ich eine Jahrmarktbude, ein Schaukabinett wäre und sie mich füllen müßten. Ich bin froh, daß Vater und Mutter tot sind, sonst liefen der und der hin und schlügen sie rasch tot, brächten mir ein bequem transportables Bein, ein eingesalzenes Gesicht, ein sauber verpacktes Stück Brust von meiner Mutter. Um mich zugänglicher zu machen. Das ist mein Los. Ich weiß schon. Ich werde euch folgen. Eine Frau hab ich, ein Gut, Baumwolle, ein Floß, man ehrt mich. Man hat mir einen versalzenen Kopf im Eimer vorgesetzt und daran muß ich fressen und alles hier lassen.“

Wang tappte im Zimmer herum. Ein Feuerzeug schlug an, die kleine Öllampe brannte oben auf dem Ofenbett. Wang tappte weiter, sackte neben sie, einen langen bastumwickelten Gegenstand über den Knien. Als er den Bast abgehalftert hatte, blitzte das lange blanke Schwert. Sie duckten wieder rasch die Köpfe. Wang-lun wiegte den Gelben Springer in den Armen.

Am nächsten Morgen fuhren die Karren in der ersten Frühe aus der Herberge, der Natternfänger hinkte und ließ sich stützen, sie verließen das Dorf nach Norden. Hinter dem Dorf holte den langsamen Zug der fünf Händler die große gebückte Gestalt im Strohhut ein.

Wang-lun fauchte, warum sie heimlich aufbrächen, so daß erst der Wirt jemand schicken müßte, um ihm die Reise seiner Landsleute anzuzeigen. Die Händler sahen sich bedrückt an, der mit der schlaffen Schulter schniefte unter der Nase:

„Wir haben uns geschämt. Es tat uns leid, daß wir hergekommen sind. Wir wollen an dem nicht schuld sein, was du gesagt hast.“