Die Gilden der Ölhändler, der Lastenträger und Schmiede besaßen ein gemeinsames Klubhaus in der Stadt. Das unansehnliche Gebäude, mit Restaurationshallen, kleinem Theatersaal, nahm in zahllosen Zimmern die werktätigen Menschen auf, die aßen, sprachen, sich abtrennten, schliefen, Musik hörten, rauchten. Das Gerücht von Wang-luns Wiederauftauchen schlug ein. Zwischen die Mitteilungen von Truppenbewegungen unter Chao-hoei schwirrten die Aufforderungen des Schan-tungkomitees, keine Truppenübergriffe zu gestatten. Im Klub schrie man sich an. Ein alter Schmied, dem sein kleines ländliches Besitztum bei der Stadt Lint-sing verbrannt war, schüttelte in einer abendlichen Beratung stöhnend die Arme, verfluchte die Dynastie, verglich sie einer Schmarotzerpflanze. Li hieß der angesehenste der Lastenträger, ein robuster gerader Mann, der zu den Wahrhaft Schwachen gehörte, seit dem Sommer der Gebrochenen Melone in der Stadt wohnte. Während der Beratung kam ein junger Mensch aus seinem Nachbarhause in das lange Zimmer, hielt sich keuchend die Hand vor den Mund, berichtete stoßweise mit verstört geisternden Blicken, die Herren sollten aufpassen: Polizisten mit einer Rotte Soldaten durchsuchten das Haus, in dem Li bei Sippenverwandten gewohnt hatte; der Lastenträger selbst —. Als der junge Mensch hier nicht weiterkam, die zusammengedrängten Arbeiter über ihn herfielen, der Schmied ihm den Rücken klatschte, machte der atemlose verwirrte eine Handbewegung nach seinem Halse.
Da schlichen schon zwei ältere Gildengenossen herein, sperrten die Tür ab, japsten, Li sei ergriffen worden; Polizisten seien von Soldaten begleitet, die den Kopf Lis in einem Käfig auf ihren Lanzen trügen; die Sippenangehörigen des Toten würden eben ins Gefängnis transportiert. Der junge Mensch nickte weinend. Das flüsternde Durcheinander nahm ein Ende, das Durcheinander von Furcht, Wut und Drohung: jeder wollte in sein Haus.
Li war auf die Nachricht von Wang-luns baldigem Eintreffen aus südwestlicher Richtung dahin aufgebrochen, mit zwei langen Messern und einem versteckten Dolch; als Bettler an einer Soldatenrotte vorbeigehend, nicht weit von der Stadt, fiel er durch seine Ruhe auf; sie stellten ihn, er gab Auskunft über Person, Wohnort; das weitere verlief wie bei dem alten Chu und zahllosen anderen. Nach Zugehörigkeit zu den Wahrhaft Schwachen gefragt, meinte er, er sei Bettler und ginge seinen guten Weg; angefaßt zur Durchsuchung setzte er sich zur Wehr, kam rasch um, sein Kopf kehrte nach Nordosten zurück.
Der Soldatentrupp lagerte in einem alten Regierungsjamen innerhalb der Mauern. Die Nachtwächter trommelten die erste Nachtwache; die Gildengenossen hockten in dem langen Zimmer des Klubhauses bei verhängten Fenstern. Als einer auf das verabredete Klopfen die Tür öffnete, wand sich ein einzelner schlanker unbekannter Mann herein, wurde rasch festgehalten; man leuchtete ihm ins Gesicht, das berußt war; es war Ngoh. Mehrere pfiffen, was er hier suche; seine Wühlereien in befreundeten kleinen Genossenschaften waren bekannt. Er bat höflich um Schutz; er fürchte sich, da der Revisor ihn gewarnt hätte und er warne sie selbst; es verlaute, daß man in der Stadt auf größere Truppenmassen warte, um über verdächtige Gilden zu fallen. Die Ängstlichen, um den niedrigen Tisch mit Teetassen gehend, riefen, er brauche sie nicht zu warnen; was er hetzen wolle?
Ngoh entblößte seinen rechten Arm, zeigte drei große strahlige Brandnarben, die ihm Ma-noh beigebracht hatte auf seinen Wunsch:
„Meine Arme sehen nicht schön aus. Erst habe ich dies als Male meiner eigenen Befreiung aufgefaßt; jetzt als Male meiner Fesselung. Wenn ihr mich schimpft und wartet, werdet ihr andere Fesseln tragen, liebe Herren. Die Fasane schreien, die Leoparden, Löwen brüllen; ihr wißt schon, welche Goldfasane ich meine; die Panther von Chao-hoeis Soldaten, die Literatenlöwen. Aber schimpft!“
„Du warst selbst Panther! Sieh deine Hände; so weiche Finger hat keiner aus dem Volk!“
„Warum bist du aus deinem Käfig ausgebrochen, Ngoh?“
„Er glaubt er ist besser, als die Soldaten drüben.“
„Schimpft nur, ich will die Male nicht beflecken, indem ich sie von euch begaffen lasse. Wenn ich Panther bin, seid ihr Hunde und Katzen. Es tut mir leid, daß ich euch gestört habe. Oder: Hunde ist zu gut gesagt; Hasen, Bohrwürmer, Maden.“