Bei den folgenden Kämpfen wurden die Wu-wei-Anhänger rasch dezimiert. Diese Wahrhaft Schwachen waren die tollkühnsten Soldaten, die ihrem Drange zu sterben nicht widerstehen konnten. In währender Schlacht erschlug Wang Ängstliche. Sie düngten den Boden für das heilige Reich.

Wang schwankte nicht; kalt und sicher ging er vor; nur hintertrieb er an manchen Tagen, an denen er ohne Spannung schien, die Aufnahme anziehender Haufen ohne Grund, um seine Anordnung freilich später zurückzuziehen. Ein Mädchen, das ihm bei einem Dorf das Leben rettete, indem sie ihn auf einen Bauer aufmerksam machte, der aus einem Fenster nach ihm seinen Bogen richtete, nahm er auf seinen weiteren Zügen mit. Ob sie seine Geliebte wurde, wußte man nicht. Das angenehme, nicht gerade schöne Bauernmädchen hatte eine naive Zutraulichkeit. Wang schien sich sicherer zu fühlen, wenn sie in der Nähe war. Man wunderte sich zwar über diese Regung, aber er erklärte mehrmals, er müsse etwas für sich tun, um die nächsten Monate durchzuhalten; sie sei sein Amulett. Aber einige behaupteten doch bald, daß er schwach gegen sie war. Man wußte in diesen Wochen nie recht, wessen man sich von ihm zu versehen hatte; der Wind blies aus dieser, aus jener Ecke.

Sechstausend Mann zogen aus Ho-kien unter Wang-luns Führung, Reiter und Fußsoldaten. Und während sie, von dem Volk auf den Äckern gegrüßt, nordostwärts gegen eine große Abteilung Chao-hoeis marschierten, stießen starke Haufen von Süden und Norden zu ihnen.

Wang-lun schwang entzückt die Hände: „Sie kommen wie die Ratten aus ihren Löchern heraus,“ sobald die Trommeln von weitem sich näherten, „ich habe eine Tasse Wein umgestoßen; jeden Tropfen hol ich mir wieder. Ich habe einen schuppigen großen Drachenleib, den ich hundert Li weit hinter mir herziehe. Bis ich meine schöne warme Höhle gesucht habe!“

Der Ungestüm ihres Angriffs bei Pau-ting war beispiellos. Hunderte Frauen, meist Schwestern, mischten sich in den Kampf, schossen Pfeile, hetzten, warfen brennende Scheiter, gossen Eimer siedenden Öls. Sie liefen mit großen schwarzen Fahnen, die das Mingzeichen trugen, über die Gräber und Bodendeckungen hinauf; die Kaiserlichen mußten sie würgen, gliedweise wie Eidechsen von sich abschlagen. Sobald man in Nahkampf kam, war die Schlacht entschieden, die Ilisoldaten fanden ihre Meister. Das war ein schauerliches Wüten. Diese Wahrhaft Schwachen schlugen sich entmenscht; das Bestialische ihres Aussehens, ihrer Katzen-, Tigermalereien flößte Entsetzen ein. Als das Dorf, das den Rücken der Kaiserlichen deckte, plötzlich helles Feuer schnaubte, ohne daß eine Umzinglungsmannschaft bemerkt war und das heisere Kreischen der Weiber auch vom Dorf anraste, wurden die Kaiserlichen zwischen zwei Mühlsteine gequetscht und bis auf wenige von den Katzen, Tigern und Weibern zerrissen.

Bei dem Schmaus nach der Schlacht toste statt der Lieder rauchendes Gelächter auf Gelächter. Die Männer ahmten das Kreischen der Weiber nach, die Weiber schrien, kochten und aßen die Lebern von Brüdern und Feinden, um sich Mut zu erhalten.

Die Woge dieser Menschen hob sich vom Boden und wollte auf Pe-king rollen. Der Kern von Chao-hoeis Truppen stand nördlich der Hauptstadt; ihre Heranziehung vor dem Andringen der Wahrhaft Schwachen war nicht mehr möglich. Die nördliche Residenz mußte sich auf ihre Bannertruppen verlassen.

Khien-lung hatte Boten an Chao-hoei, an den Tsong-tou von Tschi-li geschickt. Die ahnungslosen Leute wurden von den Rebellen abgefangen, die zu einem Teil sich nicht der Hauptmasse Wangs anschlossen, sondern von den Führern der anmarschierenden Armee orientiert den Nordwesten und Nordosten auf eigene Faust unsicher machten. Der Krieg unterschied sich in keiner Weise von früheren Rebellionen; die Grausamkeiten auf beiden Seiten überboten sich; nur die Raschheit des revolutionären Vorgehens und der Umstand, daß überall zuerst die Behörden abgeschlachtet wurden, war einigermaßen bemerkenswert.

Die wichtige Verbindung zwischen der Rebellenarmee und den heimlich revolutionären Garden bei Pe-king wurde von Ngoh hergestellt. Der Kriegsrat drang zwar darauf, daß Wang-lun sich seiner unvergleichlichen Gewandtheit zu dieser Aufgabe bedienen sollte, aber nach einigem Zögern lehnte Wang es ab. Wie überhaupt bei ihm eine gewisse Lässigkeit und Schwerfälligkeit, die freilich nur der Näherstehende bemerkte, deutlich hervortrat und einige Gildenführer irre machte. Sie konnten nichts damit anfangen, daß Wang sich manchmal mit einer trüben gelangweilten Miene von den Übungen der Truppen entfernte, den Befehl einem der signierten Offiziere abgab und sich selbst, die Wasserpfeife rauchend, nervös mit anderen in ein Zelt zurückzog. Er erzählte seinen Freunden schmachtend in ewigen Wiederholungen von Ma-noh, wie groß der angestiegen wäre, in der Tat bis zu seinem Ende ein Wahrhaft Schwacher; er unterschlug die sichere Tatsache, daß Ma-noh von einem gemeinen Soldaten erwürgt war, und rühmte, wie rasch der Tod alle hingerafft hätte. Welcher Wahrhaft Schwache wohl jetzt noch den Mut hätte, das zu ertragen, was die Brüder der Gebrochenen Melone erduldet hätten. Wie unverständlich, bewundernswert war die Sicherheit Ma-nohs, ja bis zu seinem Ende. So und ähnlich redete Wang öfter. Und dann träumte er pfeiferauchend. Die kleine Geliebte mußte vor ihm die Laute schlagen oder ihn angaffen; er duldete nicht, daß man sie wegwies; sie mußte, so peinlich es den Führern war, auf einen Einfall Wangs bisweilen während einer Beratung in das Zelt oder Haus gerufen werden und sich ihm gegenüber setzen.

Ngohs Unterhaltungen mit der Gelben Glocke wurden unbemerkt bei Pe-king auf dem schönen Begräbnisplatz der Prinzessin Fo-schon-kung-chu am Kanal geführt. Ngoh und der Offizier promenierten harmlos unter den Menschen zwischen den weißen Stämmen der Fichten. Wo die Allee der marmornen Tiere und Männersäulen zum Mausoleum der Prinzessin führte, bogen sie um.